Marienkirche

Marienkirche in ChełmnoMit dem Bau der der heiligen Mutter Gottes geweihten Pfarrkirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen. Abgeschlossen wurde er im Jahre 1331. Die dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil verfügt über zwei Türme und reich verzierte Fassaden. Die Kreuz-Rippen-Gewölbe wurden mit Bildhauereien aus dem 14. Jahrhundert ausgeschmückt. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde an das Südschiff die Fronleichnamskapelle und im Jahre 1560 eine der Leidenden Mutter Gottes von Culm geweihte Renaissancekapelle angebaut, in der sich ein wundertätiges Gemälde befindet, eine malerische Interpretation der gotischen Pieta aus dem 15. Jahrhundert, die am Graudenzer Tor angebracht ist. Vom Chorraum in die Sakristei führt ein gotisches Portal mit einem glasierten, Tiere symbolisch darstellenden Terrakottafries. Die Innenwände schmücken Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert, Seitenaltäre im Stil des Rokoko, ein Bogen mit einer Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jahrhundert, Rokokoambone und -epitaphen sowie Kerzenleuchter im Stil des Barocks und ein gotisches Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert. In der Kirche wird eine Reliquie des heiligen Valentin aufbewahrt.

Weitere Informationen über die Marienkirche mit vielen Fotos finden Sie auf der Website moje-chelmno.pl.


Die folgende Sage bezieht sich auf den nicht zu Ende gebauten zweiten Turm der Kirche. Entnommen wurde sie der Sammlung Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens, herausgegeben von W.J.A. von Tettau und J.D.H. Temme, Berlin 1837.
Türme der Marienkirche in Chełmno

Die Pfarrkirche zu Culm
Als die Pfarrkirche zu Culm, noch jetzt eins der ehrwürdigsten Denkmale altdeutscher Baukunst in Preußen, gegründet ward, war es der Plan des Baumeisters, dieselbe mit zwei hohen Thürmen zu versehen. Es hatte sich der Meister aber verpflichtet, zu einem bestimmten Tage das Werk zu vollenden. Schon nahte dieser, und noch war der Thurm kaum bis zur Hälfte fertig. Da ließ der Meister ohne Unterlaß arbeiten und setzte selbst nicht Sonn- nicht Festtags aus. So gelang es ihm, den Tag einzuhalten, und schon war die Menge zur Einweihung versammelt, als sich furchtbares Brausen in der Luft vernehmen ließ, und man einen Engel herabeilen sah, der mit einem flammenden Schwerte den Thurm, an welchem des Sonntags gearbeitet war, entzündete, so daß dieser bis den Grund niederbrannte, ohne daß jedoch der übrige Bau versehrt wäre. Noch einmal versuchte man, den Thurm auszuführen, aber auch diesmal war er, kaum beendigt, durch einen Blitzstrahl zerstört. So ist der Bau denn bis auf heute unvollendet geblieben.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 19.06.2012, ergänzt am 05.01.2021]

Reliquie des heiligen Valentin

Culm wirbt seit einigen Jahren damit, die “Stadt der Verliebten” zu sein und begeht den Valentinstag (14. Februar) mit einem besonderen Veranstaltungsprogramm. Wie kommt es dazu?

Seit mehreren Jahrhunderten befindet sich in der Pfarrkirche St. Marien eine Reliquie des heiligen Valentin. Es handelt sich um ein Schädelfragment, das in einem achteckigen Reliquiar aus Silber aufbewahrt wird. Nicht genau geklärt ist, woher diese Reliquie stammt und wann genau sie ihren Platz in Culm gefunden hat.

Der Kunstkonservator Krzysztof Kalinowski schließt in einem am 14.02.2008 in der Tageszeitung Gazeta Wyborcza veröffentlichten Artikel Jak głowa św. Walentego trafiła do Chełmna (Wie der Kopf des heiligen Valentin nach Culm kam) nicht aus, dass Paweł Jan Działyński den Schädel des heiligen Valentin in Rom als Auszeichnung für seinen Einsatz für die katholische Kirche in Polen von Papst Gregor XV. erhalten und spätestens im Juli 1623 in seine Heimat überführt hat. In der Pfarrkirche in Neumark (Nowe Miasto Lubawskie) befindet sich ein Gemälde, das Papst Gregor XV. gemeinsam mit Paweł Jan Działyński darstellt.

Dokumentiert ist jedoch die Entstehung der kunstvollen Silberdose, die einen kuppelförmigen, verglasten Deckel besitzt, durch den die Reliquie betrachtet werden kann. Dieses Reliquiar wurde 1630 von Jadwiga Działyńska und ihrer Tochter bei Wilhelm de Lassensy in Thorn (Toruń) bestellt, weil beide Frauen überzeugt davon waren, eine Krankheit dank der Hilfe des heiligen Valentin überstanden zu haben. So verkündet es eine gut erkennbare Inschrift in polnischer Sprache.

1715 wurde in der Pfarrkirche ein neuer, noch heute vorhandener, Altar für den heiligen Valentin mit einem Bildnis des Heiligen eingerichtet, das der Überlieferung nach aus Rom stammt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Reliquie in besonderer Weise verehrt. Am Vorabend des 14. Februar wurde sie in einer Prozession in die Heilig-Geist-Kirche überführt, dort auf dem Hauptaltar aufgestellt und angebetet. Am 14. Februar wurden dann mehrere Messen gelesen, bis die Reliquie in einer Prozession wieder in die Pfarrkirche gebracht wurde. Ähnliche Feierlichkeiten fanden am zweiten Pfingsttag statt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als die Heilig-Geist-Kirche langsam verfiel, verloren die dem heiligen Valentin gewidmeten Prozessionen allmählich an Bedeutung, bis sie völlig eingestellt wurden und in Vergessenheit gerieten.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 14.02.2008]