Stanisław Skalski

Stanisław SkalskiStanisław Skalski (27.10.1915 – 12.11.2004) wird von Militärhistorikern zu den besten polnischen Kampfpiloten des Zweiten Weltkriegs gezählt. In den ersten Tagen des durch den Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 ausgebrochenen militärischen Konflikts nahm der zu dieser Zeit in Toruń/Thorn stationierte Skalski auch an Luftkämpfen im Raum Chełmno teil.

Nachdem er kurz nach Kriegsausbruch bei Toruń ein deutsches Flugzeug vom Typ Henschel-126 abgeschossen hatte, folgten am nächsten Tag im Gebiet Chełmża-Unisław zwei Bomber vom Typ Dornier-17. Am 3. September sicherte er bei Chełmno polnische Truppen, die über die Weichsel setzten, und machte dabei zwei deutsche Flugzeuge vom Typ Hs-126 unschädlich. Seinen letzten Flug im Raum Chełmno unternahm Skalski am 6. September, als er den Befehl erhielt, die Bewegung von Wehrmachtseinheiten an der Weichsel zu verfolgen. Bei Topolno (mehrere Kilometer südwestlich von Chełmno) entdeckte er eine Panzerfahrzeugkolonne und an der Straße Świecie-Chełmno eine Pontonbrücke, die den deutschen Truppen zur Überquerung des Flusses diente. Er beschoss diese Pontonbrücke einmal, musste sich dann jedoch wegen heftigen Flakfeuers zurückziehen.

In späteren Jahren kämpfte Skalski auf Seiten der Alliierten in Frankreich, England und Nordafrika. Nach seiner Rückkehr nach Polen 1949 wurde er von den stalinistischen Machthabern zum Tode verurteilt und erst 1956 nach einer Amnestie aus der Todeszelle entlassen. 1988 wurde ihm der Rang eines Generals der Polnischen Armee verliehen.

Seit dem 7. September 2013 ist die Weichselbrücke in Chełmno nach Stanisław Skalski benannt.

Quelle:
Bąk, Wiesław, Pamięci generała Stanisława Skalskiego, in: Czas Chełmna 17.12.2004; pl.wikipedia.org zum Stichwort Stanisław Skalski

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 08.12.2007; ergänzt am 16.01.2021]

Wojciech Łożyński

Wojciech ŁożyńskiDer am 23. April 1808 in Culm geborene Wojciech Łożyński spielte als langjähriger Direktor des Königlich Katholischen Gymnasiums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle im politisch-gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt.
Łożyńskis Vater war Schumacher und schickte seinen Sohn auf das Gymnasium in Braunsberg (poln. Braniewo), wo Wojciech Łożyński 1827 die Abiturprüfung bestand. Danach studierte er bis 1831 in Königsberg (heute Kaliningrad) und Bonn klassische Philologie und promovierte. Nach einem Probejahr in Bonn erhielt er seine erste feste Lehrerstelle am Marien-Gymnasium in Posen (poln. Poznań), an dem er 1832 bis 1837 die Fächer Latein, Griechisch, Polnisch, Geschichte und Geographie unterrichtete.

Nach der Gründung des Königlich Katholischen Gymnasiums in Culm ließ sich Łożyński in seine Heimatstadt versetzen und arbeitete hier unter dem Schulleiter Karl Richter als Oberlehrer für klassische Sprachen und Französisch. Außerdem erteilte er von 1840 bis 1844 Polnischunterricht.

Łożyński war sehr sprachbegabt, beherrschte sieben Sprachen und muss auf die preußische Schulverwaltung in jedweder Hinsicht einen sehr positiven Eindruck gemacht haben. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass gerade er – ein Pole – 1844 Nachfolger Karl Richters wurde, dem vorgeworfen worden war, eine zu starke Polonisierung der Lehranstalt zugelassen zu haben.

Gymnasium

Gymnasialgebäude an der Ulica Dominikańska in Chełmno aus dem Jahr 1865

38 Jahre lang leitete Wojciech Łożyński, der sich in zeitgenössischen deutschsprachigen Veröffentlichungen auch Adalbert Lozynski nennt, das Culmer Gymnasium. Ihm gelang es, die Balance zwischen der Loyalität gegenüber seinem Dienstherrn, nämlich dem preußischen König, und seinem Engagement für die Förderung der polnischen Kultur und Sprache zu wahren. Während seiner Zeit als Schuldirektor entwickelte sich das Königlich Katholische Gymnasium in Culm nämlich zu einem wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum für die polnische Bevölkerung in Westpreußen. Die Lehranstalt wurde gut besucht und der Anteil der polnischstämmigen Schüler war hoch.

Łożyński gehörte viele Jahre lang dem Stadtrat an und setzte sich für den Bau eines neuen Schulgebäudes ein, das schließlich 1865 an der ul. Dominikańska entstand und noch heute dem örtlichen Kopernikus-Gymnasium als Sitz dient. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die gleich neben dem neuen Schulgebäude stehende Franziskanerkirche restauriert und ab 1868 als Gymnasialkirche genutzt werden konnte.

Grab Łożyński

Grab der Familie Łożyński auf dem katholischen Friedhof in Chełmno

Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums wurde Łożyński Ehrenbürger der Stadt Culm. Am 1. November 1881, ein Jahr vor seiner Pensionierung, feierte er sein 50. Dienstjubiläum als Lehrer und erhielt neben vielen anderen Ehrungen die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn. Nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst wohnte er zusammen mit seinem Enkel Bernard Klein an der ul. Grudziądzka 33. Wojciech Łożyński verstarb am 26. August 1884 in Culm und wurde auf dem katholischen Friedhof bestattet.


Quellen:

  • Rafiński, Stefan: Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie, Bydgoszcz 2002, S. 85 (Foto Łożyńskis S. 145)
  • Rafiński, Stefan: Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 111 f.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 19.04.2008]

Maksymilian Raszeja (1889-1939)

Bereits 2005 hatte ich die drei aus Chełmno stammenden Brüder Franciszek, Maksymilian und Leon Raszeja vorgestellt. Mehr 80 Jahre nach seiner Ermordung am 20. Oktober 1939 möchte ich an dieser Stelle den Lebensweg des Ältesten der Geschwister, also von Maksymilian Raszeja, etwas ausführlicher beleuchten.

Elternhaus Raszeja am Markt in Chełmno

Geboren wurde Maksymilian Raszeja am 10. März 1889 im seinerzeit preußischen Culm an der Weichsel im direkt neben dem Postamt gelegenen Haus am Markt (heute ul. Rynek 14 mit einer Gedenktafel). Seine Eltern waren Ignacy Raszeja und Julianna, geb. Cichoń. Ignacy Raszeja war als Oberpostschaffner tätig.

Maksymilian Raszeja besuchte als Stipendiat der Gesellschaft für Ausbildungshilfe (Towarzystwo Pomocy Naukowej) das Königliche Katholische Gymnasium zu Culm an der gegenwärtigen ul. Dominikańska 35. Das „Verzeichnis sämtlicher Schüler, die im Schuljahr 1905/06 dem Gymnasium angehört haben“, im Jahresbericht der Schule nennt Raszeja mit seinem eingedeutschten Vornamen „Max“ als Schüler der Unterprima. Im Frühjahr 1907 legte er das Abitur ab. Im Abiturientenverzeichnis einer zum 75. Jahrestag der Schulgründung herausgegebenen Publikation wird er unter der laufenden Nummer 1324 aufgeführt.

Nach der Reifeprüfung besuchte er ab 1907 das Priesterseminar in Pelplin, wo er am 24. März 1912 zum Priester geweiht wurde und danach eine Tätigkeit als Geistlicher in der Danziger Pfarrgemeinde St. Brigitten aufnahm. Nach seinem 1913 in Freiburg im Breisgau fortgesetzten Theologiestudium promovierte er dort am 23. November 1915. Der Titel seiner Doktorarbeit lautete „Die Natur des Arbeitsvertrages als sozialethisches Problem“. Anschließend kehrte er nach Danzig zurück und erteilte unter anderem Religionsunterricht an der Victoria-Schule.

Während des Ersten Weltkriegs diente Raszeja als Militärgeistlicher in der deutschen Armee und kümmerte sich insbesondere in Danzig um Kriegsgefangene polnischer Nationalität. Nach dem Krieg war er ab dem 20. März 1919 Pfarrer in Śliwice bei Tuchola (Tuchel). Dort engagierte er sich auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich. So war er unter anderem Direktor der Volksbank und Vorsitzender des Maschinenrings. Zudem gehörte er 1921 dem Kreistag und ab dem 23. Dezember desselben Jahres sogar dem Exekutivorgan des Landkreises an.

Am 6. Dezember 1926 wurde Dr. Maksymilian Raszeja von Bischof Stanisław Okoniewski zum Professor für Moraltheologie ans Pepliner Priesterseminar berufen. Außerdem hielt er dort Vorlesungen über Soziologie. 1928 wurde er Kanoniker. Er verfasste Artikel für kirchliche Zeitschriften und war Mitglied der Wissenschaftsgesellschaft in Toruń (Thorn). Die Fertigstellung eines Lehrbuchs für Soziologie, an dem er viele Jahre arbeitete, gelang ihm nicht mehr.

Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Raszeja nämlich ab dem 12. September 1939 auf dem Gelände des Priesterseminars in Pelplin drei Wochen lang in einer Einzelzelle inhaftiert. Die Besatzer versuchten vergeblich, ihn durch Misshandlungen zur Preisgabe des Verstecks der Pelpliner Gutenbergbibel, anderer wertvoller Kunstwerke und Archivbestände zu bewegen.

Die Angaben über die Ereignisse unmittelbar vor der Ermordung Raszejas sind in der mir verfügbaren Literatur nicht vollkommen widerspruchsfrei. Ich folge daher im Wesentlichen den detailreichsten Darstellungen von Alojzy Męclewski und Adam Bloch, die um Informationen aus anderen Quellen ergänzt werden.

Die Lage für die in Pelplin tätigen Geistlichen spitzte sich am 20. Oktober 1939 zu, als SS und der sog. Volksdeutsche Selbstschutz alle Mitglieder des Domkapitels sowie die am Priesterseminar und dem Collegium Marianum tätigen Lehrer verhaftete und nur wenige mit dem Leben davonkamen. 16 Priester aus Pelplin und Umgebung wurden ermordet. Maksymilian Raszeja und den anderen Gefangenen wurden persönliche Dokumente, Geldbörsen und Uhren abgenommen. In Dreierreihen wurden die Geistlichen dann in Richtung Starogard getrieben. In einem zwei Kilometer entfernten Wald wurde ihnen befohlen, Gräber auszuheben. Da die Deutschen befürchteten, dass Dritte Zeugen der geplanten Tat werden könnten, mussten die Kanoniker wieder nach Pelplin zurücklaufen und wurden über den Markt der Kleinstadt ins rund 20 km entfernte Tczew (Dirschau) zu einer Kaserne gebracht. Dort wurden sie in einem Keller gefoltert und später hinter der Kaserne erschossen.

Entdeckt wurden ihre sterblichen Überreste am 29. Oktober 1945. Nach der Exhumierung erfolgte am 15. November ihre Bestattung in einem gemeinsamen Grab auf dem Friedhof in Pelplin.

Quellen:

  • Adam Bloch, Śliwicki proboszcz. Maksymilian Raszeja (1889-1939), in: Kociewski Magazyn Regionalny Nr. 4 (31), Tczew 2000, S. 16
  • Wilhelm Gerstenberg, Königliches Katholisches Gymnasium zu Culm. LXVIII. Bericht über das Schuljahr 1905/06, Danzig 1906, S. 19
  • Anna Grzeszna-Kozikowska, Bracia Raszejowie, in: „Czas Chełmna“ 02.04.2004, S. 8
  • Alojzy Męclewski, Pelplińska jesień, in: Kociewski Magazyn Regionalny Nr. 2 (25), Tczew 1999, S. 8 ff
  • Stefan Rafiński, Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie, Bydgoszcz 2002, S. 111
  • Dieter Schenk, Albert Forster – gdański namiestnik Hitlera, Gdańsk 2002
  • Anna Soborska-Zielińska, Tablica pamiątkowa poświęcona trzem braciom Raszejom, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 151
  • Maria Wardzyńska, Był rok 1939. Operacja niemieckiej policji bezpieczeństwa w Polsce, Warszawa 2009

Paul Goesch (1885-1940)

Paul GoeschDer Maler und Architekt Paul Goesch kam am 30.08.1885 in Schwerin als sechstes Kind von Carl und Dorothee Goesch zur Welt. Der Vater war dort Landgerichtsrat und erhielt später einen Lehrauftrag an der Berliner Universität, wo Goesch seine Jugendzeit verbrachte. Er strebte den Beruf des Architekten an und studierte von 1903 bis 1910 Architektur in Berlin, München und Karlsruhe. Während der Studienjahre unternahm er Reisen nach Frankreich, Italien, Süddeutschland und an die Ostsee.

Paul Goesch unterhielt engen Kontakt zu seinem Bruder Heinrich und dessen Frau, einer Kusine von Käthe Kollwitz. 1909 zog er zu ihnen nach Dresden. Heinrich Goesch war Professor an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe. Die Brüder interessierten sich für Philosophie und visionäre Architektur. Sie entwickelten ein “allgemein befindliches System der Ästhetik mit mathematischen Grundlagen”. Ferner publizierten sie Gedichte. Paul Goesch hinterließ in einer Turnhalle in Laubegast, die seinem Freund Eberhard Goellner als Atelier diente, Wandmalereien mit Szenen aus dem Leben Buddhas als erste Zeugnisse seines künstlerischen Wirkens.

Traumphantasie
undatiert, Deckfarben über Bleistift auf Papier, 16,5 x 20,6 cm, Sammlung Prinzhorn

Im selben Jahr erkrankte Goesch und verbrachte jeweils sechs Monate in Sanatorien in Hedemünden und in Tiefenbrunn bei Göttingen. Er konnte dennoch sein Studium abschließen und bestand 1910 in Berlin das Examen zum Regierungsbauführer. 1914 wurde er zum Regierungsbaumeister befördert. Als Anhänger der anthroposophischen Bewegung war er im Februar und März desselben Jahres am Bau des nach Plänen von Rudolf Steiner errichteten Goetheaneum in Dornach bei Basel beteiligt. Er begann nun auch, Zeichnungen und Aquarelle zu fertigen.

Paul Goesch - Selbstporträt

Selbstporträt
undatiert, Deckfarben über Bleistift auf Papier, 16,5 x 20,6 cm, Sammlung Prinzhorn

Von 1915 bis 1917 war Paul Goesch als Regierungsbaumeister in Culm an der Weichsel (heute Chełmno nad Wisłą) tätig. Hier erkrankte er schwer. Er litt an Schizophrenie und wurde in der Heilanstalt in der Nachbarstadt Schwetz (Świecie nad Wisłą) behandelt, wo er sich bis Herbst 1919 aufhielt und zahlreiche Bilder malte.

Nachdem er aus der Heilanstalt in Schwetz entlassen wurde, zog er zu seinem Vater nach Berlin und verkehrte dort in Künstlerkreisen. Er wurde unter anderem Mitglied der Novembergruppe und des Arbeitsrats für Kunst. Goesch erkrankte erneut und kam auf Dauer in die Heilanstalt Göttingen, die sein Schwager leitete. In dem Zimmer, das er bewohnte, sind Wandmalereien erhalten geblieben.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurde sein Schwager als Anstaltsleiter abberufen und Paul Goesch 1934 in eine andere Anstalt im brandenburgischen Teupitz verlegt. Die Werke Paul Goeschs waren nach dem NS-Kunstverständnis “Entartete Kunst” und für eine 1937 organisierte Ausstellung wurden drei seiner Bilder in der Mannheimer Kunsthalle beschlagnahmt. 1938 stürzte Goesch in Teupitz und musste 1939 wochenlang im Rudolf-Virchow-Krankenhaus Berlin chirurgisch behandelt werden.

Im Rahmen des von der nationalsozialistischen Ideologie entwickelten und verwirklichten sogenannten Euthanasie-Programms fiel Paul Goesch der groß angelegten, unter dem Decknamen Aktion T4 durchgeführten, systematischen Ermordung von über 100000 psychisch kranken und behinderten Menschen während der NS-Zeit zum Opfer. Am 22.08.1940 wurde Paul Goesch durch Vergasung im alten Zuchthaus Brandenburg ermordet. Eine Arbeitsgruppe der Universität Heidelberg hat vor einigen Jahren ermittelt, dass der in vielen Publikationen zu findende Todesort Hartheim bei Linz in Oberösterreich nicht zutreffend ist.

Wandgemälde Paul Goesch

Wandgemälde (fantastisches Triumphtor) undatiert, Bleistift und Wasserfarben auf Papier, 45,8 x 57,6 cm, Sammlung Prinzhorn

Von Paul Goesch sind Hunderte von Werken erhalten geblieben, die sich im Besitz verschiedener Einrichtungen befinden. Bereits in den zwanziger Jahren nahm Goesch an verschiedenen Ausstellungen in Berlin teil. In der Nachkriegszeit wurden Werke des Künstlers unter anderem in Berlin, Mannheim, Heidelberg und Los Angeles gezeigt.

Die Sammlung Prinzhorn der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg verfügt über 19 Blätter und ein Skizzenbuch aus der Heilanstalt Schwetz.

Der obige Lebenslauf Paul Goeschs beruht auf Informationen, die Frau Sabine Mechler von der Sammlung Prinzhorn (im Jahr 2005) freundlicherweise zusammengestellt hat, sowie den Angaben über den Künstler auf der Website http://www.abcd-artbrut.org. Das Foto Paul Goeschs sowie die Reproduktionen seiner auf dieser Seite abgebildeten Werke wurden ebenfalls von der Sammlung Prinzhorn zur Verfügung gestellt.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags im Jahr 2005]

Georg Salzberger

Georg Salzberger wurde 1882 in Culm geboren, wo sein Vater, Dr. Moritz Salzberger, Rabbiner war und ab 1878 am Gymnasium unterrichtete, bis er 1886 nach Erfurt verzog.

Nach Studium und Promotion in Berlin war Georg Salzberger von 1910 bis 1939 Rabbiner in der Israelitischen Gemeinde Frankfurt. Nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde er von der Gestapo festgenommen und im KZ Dachau inhaftiert. Im April 1939 konnte er Deutschland verlassen und nach England emigrieren. Dort war er Mitbegründer der einzigen deutschsprachigen jüdischen Gemeinde in London und bis 1957 deren Rabbiner. Salzberger wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, so erhielt er 1962 das Große Bundesverdienstkreuz und 1972 die Buber-Rosenzweig-Medaille. 1975 starb er in London.

Von Georg Salzberger können eine “Autobiographische Skizze 1882-1959” sowie weitere sein Leben und seine Tätigkeit betreffende Dokumente in digitalisierter Form auf der Website des Leo Baeck Institute eingesehen werden.

Hermann Löns

Hermann Löns ist trotz seiner verhältnismäßig großen Popularität im deutschen Sprachraum in seiner Geburtsstadt Culm (poln. Chełmno), in der er am 29. August 1866 auf die Welt gekommen ist, kaum bekannt.

Hermann Löns’ Vater Friedrich Wilhelm (04.10.1832 – 02.12.1908), genannt Fritz, stammte aus dem Raum Bochum/Paderborn und ließ sich 1864 nach Abschluss seiner Ausbildung zum Lehrer ins westpreußische Culm versetzen, weil er hier eine Planstelle, also eine feste Anstellung, bekommen konnte. Nur so wurde es ihm möglich, seine 12 Jahre jüngere Verlobte Clara Cramer (15.01.1844 – 15.04.1896), die Tochter eines Paderborner Apothekers, heiraten zu können.

Ein Jahr nach der Heirat wurde Hermann Löns als erstes von vierzehn Kindern geboren. Bereits nach einem Jahr zog die Familie nach Deutsch-Krone (poln. Wałcz), das rund 150 km westlich von Culm liegt, wo Hermann Löns seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte. 1884 konnte Friedrich Löns schließlich wieder in seine Heimatregion zurückkehren, wo er am Gymnasium Paulinum in Münster unterrichtete.

Auf die Welt kam Hermann Löns in dem Haus mit der Adresse Heiligengeiststraße 2. Da die heutige ul. Świętego Ducha stark vom Durchgangsverkehr belastet wird, befinden sich die dortigen Häuser leider in einem mäßigen Zustand. Durch die Fertigstellung einer Umgehungsstraße südlich von Culm im Jahr 2011 hat sich die Situation mittlerweile etwas gebessert.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: Januar 2005]

Antoni Piotrowicz

Antoni Piotrowicz - Wohnhaus und Atelier an der Ulica Kościuszki in Chełmno

Wohnhaus und Atelier an der ul. Kościuszki

Der Maler Antoni Piotrowicz wurde am 17. Januar 1869 in Culm an der Weichsel geboren. Durch den Besuch des Königlichen Katholischen Gymnasiums in seiner Heimatstadt sowie eine Lehre im Atelier seines Vaters Jan Piotrowicz, eines Malers und Vergolders, erwarb er sowohl eine allgemeine als auch grundlegende fachliche Ausbildung, die er durch dreijährige Studien in Deutschland und Italien vertiefte. Er galt als schillernde Persönlichkeit, engagierte sich in verschiedenen Organisationen und wurde 1895 Mitbegründer des Turnvereins “Falke”.

Gedenktafel Antoni PiotrowiczUm die Jahrhundertwende erwarb Piotrowicz ein Haus an der Graudenzer Straße (heute ul. Grudziądzka 21), in dem er ein Atelier einrichtete. An einem Balkon des Gebäudes brachte er ein seinen Kopf darstellendes Relief und an einem anderen seine geschmiedeten Initialen an. Später zog der Künstler in die ul. Kościuszki um, wo er bis zu seinem Lebensende arbeitete (siehe Foto). In diesem Haus, dessen Fassade im Sommer 2004 grundlegend renoviert worden ist, wurde 1986 eine Gedenktafel (siehe Foto) angebracht. Antoni Piotrowicz verstarb am 22. Juli 1923 in Chełmno und wurde hier auf dem Friedhof im Familiengrab beigesetzt.

Grab Antoni Piotrowicz auf dem katholischen Friedhof in Chełmno

Grab Antoni Piotrowiczs auf dem katholischen Friedhof in Chełmno

Mit seinen Portraits verewigte Piotrowicz viele Einwohner der Stadt. Diese Auftragsarbeiten sind bis heute in vielen Haushalten der Stadt erhalten geblieben. Er befasste sich aber auch mit religiösen und patriotischen Themen sowie der Landschafts- und Naturmalerei. Seine Werke befinden sich unter anderem im Museum des Culmer Landes in Chełmno, in Museen in Toruń/Thorn, Bydgoszcz/Bromberg sowie in Kirchen in Chełmno, Lubawa, Bysław, Śliwice, Tczew/Dirschau und Krotoszyn.

Quelle: Grzeszna-Kozikowska, Anna, Antoni Piotrowicz (1869 – 1923), in: Czas Chelmna 5.12.2003

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 30.11.2004]

Karl Richter

Karl Richter, geboren am 15. Oktober 1804 im westfälischen Warendorf, wurde am 3. August 1837 zum Direktor des neu gegründeten Königlichen Katholischen Gymnasiums zu Culm ernannt und wird bis heute in Polen als toleranter und weitsichtiger Pädagoge gewürdigt. Nach seinem Abitur in Warendorf studierte Karl Richter von 1820 bis 1825 Theologie, Philosophie und Philologie an der Universität Münster. Zwei Jahre lang leitete Richter das Progymnasium in Rietberg, bevor er Oberlehrer in Paderborn wurde. Am 4. Juni 1830 wurde er zum Priester geweiht.

Sieben Jahre später erfolgte die Versetzung ins ferne Culm an der Weichsel, wo er als Schulleiter vor allem zum Wohl der Kirche und der katholischen Jugend, die überwiegend polnischer Nationalität war, wirken wollte. Am Culmer Gymnasium unterrichteten anfänglich elf Lehrer, davon zwei polnischer Abstammung. Zum Missfallen seiner deutschen Kollegen gestattete Karl Richter den polnischen Schülern, ihre Muttersprache zu pflegen, noch bevor 1840 begonnen wurde, Polnisch als Unterrichtsfach einzuführen. Richter lernte sogar selber Polnisch und soll die Sprache mit der Zeit hervorragend beherrscht haben.

Eine zu starke Polonisierung des Culmer Gymnasiums soll der Grund für seine Abberufung vom Amt des Schulleiters im Jahr 1844 gewesen sein. Sein Nachfolger wurde Wojciech Łożyński. Die polnischen Schüler verabschiedeten den deutschen Pädagogen Richter mit mehreren Liedern, unter anderem Jeszcze Polska nie zginęła (Noch ist Polen nicht verloren), der späteren Nationalhymne Polens. Er kam nun nach Peplin, rund 90 km nördlich von Culm gelegen, wo er unter anderem am Collegium Marianum Philosophie und Dogmatik unterrichtete. Das Vertrauen der polnischen Bevölkerung genießend, vertrat er den Bezirk Berent (Kościerzyna) in preußischen Parlament. Karl Richter gehörte sogar einem polnischen Verband, der Polnischen Liga, an. 1849 wurde er Domherr in Posen (Poznań) und unterrichte am dortigen Priesterseminar Dogmatik. Er setzte sich zunehmend für einen Ausgleich mit der preußischen Regierung ein, weshalb er bei der polnischen Bevölkerung Posens an Ansehen verlor. Deshalb ließ sich Richter im März 1867 nach Trier versetzen, wo er am 23. August 1869 verstarb.

Quellen:

  • Rafiński, Stefan: Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie, Bydgoszcz 2002, S. 15
  • Rafiński, Stefan: Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 153 f.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.12.2007]

 

Ernst Bischoff-Culm

Ernst Bischoff-Culm, Maler, geboren in Culm am 13.03.1870. Nach einem Studium an den Kunstakademien in Königsberg (heute Kaliningrad), Berlin und einem Aufenthalt in Paris lebte er in Berlin. Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts beteiligte er sich am Aufbau einer Künstlerkolonie (Mitglieder u.a. Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Ernst Mollenhauer, Lovis Corinth) in Nidden (heute Nida in Litauen) auf der Kurischen Nehrung. Nach schweren Kriegsverletzungen nahm sich Bischoff-Culm am 29.07.1917 in Frankreich das Leben.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 08.12.2007]

Ludwik Rydygier

Rydygier-Denkmal in Chełmno 11.02.2021

Rydygier-Denkmal im Park südlich des Graudenzer Tores – 11.02.2021

Ludwik Rydygier wurde 1850 in Dusocin, einem Dorf bei Grudziadz (Graudenz), geboren und besuchte von 1859 – 1861 das Gymnasium in Chojnice (Konitz). 1861 wechselte er ans Gymnasium in Chełmno (Culm), an welchem er 1869 das Abitur ablegte. Von 1869 bis 1878 studierte Rydygier in Greifswald und übte eine wissenschaftliche Tätigkeit in Jena aus.

Danach kehrte er nach Culm zurück, um eine Privatklinik zu gründen, die in medizinischer und sanitärer Hinsicht gut ausgestattet war und auch eine bedeutende Rolle durch ihre wissenschaftliche Forschungs- und Lehrtätigkeit spielte. In dieser Zeit entstand ein Teil der etwa 200 wissenschaftlichen Arbeiten Rydygiers einschließlich der Position “Lehrbuch der genauen Chirurgie”. In seiner Klinik in Culm führte Doktor Rydygier die weltweit erste Gastroduodenostomie bei einem Patienten mit Tumor aus. Ein zweiter großer Erfolg Rydygiers war die gelungene Durchführung einer Magenresektion bei einer Person mit einer Geschwürkrankheit, welche am 21. November 1881 erfolgte.

Ehemalige Klinik Ludwik Rydygiers in Chełmno April 2016

Ehemalige Klinik Ludwik Rydygiers (Ulica Dworcowa / Ulica Krótka) 16.04.2016

Im Jahr 1887 zog Rydygier nach Kraków (Krakau) um und übernahm einen Lehrstuhl für Chirurgie an der Jagiellonen-Universität. Später im Jahre 1898 wurde ihm die Leitung eines Lehrstuhls für Chirurgie an der Universität Lemberg (poln. Lwów, heute L’viv in der Westukraine) übertragen. In Lemberg übte Rydygier eine intensive chirurgische, didaktische und wissenschaftliche Tätigkeit aus und in den Jahren 1901-1902 nahm er die Funktion des Rektors wahr. Im Jahr 1912 erfolgte die Herausgabe einer Sammlung seiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten. Rydygier starb plötzlich und unerwartet am 25. Juni 1920 in Lemberg.

Im Jahr 1958 brachte die Gesellschaft Polnischer Chirurgen am Gebäude des Krankenhauses in Chełmno eine Gedenktafel in Erinnerung an die Verdienste Prof. Rydygiers an. Im Museum im alten Rathaus befindet sich eine Dauerausstellung, die Ludwik Rydygier gewidmet ist.