Denkmal für Opfer der deutschen Besatzung 1939-1945

Foto: 15.10.2017

Dieses Denkmal auf dem Plac Wolności (Freiheitsplatz) zwischen den Straßen Al. 3 Maja und Ul. Dworcowa wurde 1968 für die Opfer der deutschen Besatzung 1939 – 1945, und zwar sowohl die im Krieg gefallenen polnischen Soldaten als auch die von den Deutschen in verschiedenen Orten des Landkreises Chełmno ermordete Bevölkerung, errichtet.

Foto: 15.10.2017

Klamry – Gedenkstätte für NS-Verbrechen

Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann kein gewöhnlicher Krieg. Es ging dem Aggressor nicht nur um die Durchsetzung von Gebietsansprüchen oder die militärische Niederringung des Gegners. Vielmehr sollte ein ganzer Staat von der Landkarte verschwinden, so wie es bis zur Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit am Ende des Ersten Weltkriegs über ein Jahrhundert lang der Fall gewesen war. Nach Vorstellung der Nationalsozialisten sollten so rasch wie möglich unumkehrbare Fakten geschaffen werden. Dazu gehörte es, die polnische Führungsschicht im wahrsten Sinne des Wortes zu beseitigen, also alle diejenigen Polen, die sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Funktionen während der Teilungszeit für die Unabhängigkeit ihrer Nation eingesetzt und ab 1918 am Aufbau und der Festigung des Bestands des jungen polnischen Staates beteiligt hatten. Diese potenziellen Widerstandskämpfer sollten gezielt gefangen genommen und getötet werden.

Gedenkstätte im Wald bei Klamry am 17.10.2015

So folgten den in Polen einrückenden deutschen Armeen der Wehrmacht Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD. Auch in dem von den Besatzern schon bald Reichsgau Danzig-Westpreußen genannten Teil Polens begannen sie, auf der Grundlage der nationalsozialistischen, rassistisch geprägten Weltanschauung die jüdische Bevölkerung, psychisch Kranke und Behinderte sowie einen erheblichen Teil der polnischen Elite zu ermorden. Zur Führungsschicht zählten die deutschen Besatzer unter anderem Priester, Lehrer, Beamte, Offiziere, Ärzte, Juristen, Großkaufleute, Handwerker und Gutsbesitzer, aber auch andere Personen, die sich in patriotisch ausgerichteten Organisationen betätigt hatten. Man schätzt, dass zehntausende Polen diesem auch „Intelligenz-Aktion“ genannten organisierten Massenmord zum Opfer fielen.

An der „Intelligenz-Aktion“ waren nicht nur aus dem Reich stammende Deutsche als Angehörige des SS- und Polizeiapparats oder der Wehrmacht beteiligt, sondern auch viele Einheimische, nämlich „waffenfähige volksdeutsche Männer“ im Alter von 17 bis 45 Jahren, die sich dem Mitte September 1939 gegründeten „Volksdeutschen Selbstschutz“ angeschlossen hatten. Die Autoren einer detaillierten Studie über diesen von Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen gebildeten paramilitärischen Verband, der direkt der SS unterstellt war, haben seine Funktion zusammenfassend so beschrieben:

„Seine Aufgabe bestand offiziell darin, Volksdeutsche zu rekrutieren und zu organisieren, die später in SS und Polizei übernommen werden sollten, deutschen Besitz zu bewachen sowie polizeiliche Hilfsdienste bei SS- und Gestapo-„Aktionen“ zu leisten. Vielerorts verselbständigte sich die Miliz aber zu einer Organisation, in der deutschstämmige Polen als Rache für angebliche oder tatsächliche frühere Diskriminierungen, aus Rassenwahn oder auch nur aus purer Mordlust Verbrechen verübten. Darüber hinaus setzten die SS-Führer, Chefs der Zivilverwaltung und andere Instanzen der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft Selbstschutz-Angehörige als orts- und personenkundige Helfer und Denunzianten und als Mitglieder von Exekutionskommandos im Rahmen der Ausrottungsaktion gegen die polnische Intelligenz und die Juden ein.“

[aus: Christian Jansen / Arno Weckbecker, Der „Volksdeutsche Selbstschutz in Polen 1939/40, München 1992, S. 8]

Einen Überblick über die Ereignisse im Raum Kulm an der Weichsel, wie die Stadt Chełmno nad Wisłą unter deutscher Besatzung von 1939 bis 1945 hieß, finden Sie im 1997 verfassten Artikel Die nationalsozialistische Okkupation Kulms 1939-1945.

Die Fotos in diesem Beitrag zeigen die Gedenkstätte an der Stelle im Wald zwischen den Ortschaften Klamry (dt. Klammer) und Rybieniec (dt. Ribenz), an der im Herbst 1939, insbesondere in der Zeit vom 12. Oktober bis zum 11. November, von Deutschen begangene Massenhinrichtungen stattgefunden haben (Lage bei Google Maps).

Die Opfer stammten überwiegend aus der Region. Die zuvor Inhaftierten wurden mit Kraftfahrzeugen und Bussen unter der Bewachung von Mitgliedern des „Volksdeutschen Selbstschutzes“ in den rund sechs Kilometer östlich von Chełmno liegenden Wald gefahren und mit Maschinengewehren erschossen. An den Exekutionen sollen 20 Mitglieder des „Volksdeutschen Selbstschutzes“ sowie Angehörige von SS, Gestapo und Polizei beteiligt gewesen sein. Es gab drei Sammelgräber mit einer Länge von etwa sieben Metern, in denen die Opfer verscharrt wurden. Näheres ist nicht bekannt, denn im August und September 1944 wurden die Leichen von den Deutschen im Rahmen einer zweiwöchigen Aktion exhumiert und verbrannt, um Spuren zu verwischen. Zudem waren die Befehlswege innerhalb des „Volksdeutschen Selbstschutzes“ so gestaltet, dass keine schriftlichen Aufzeichnungen erstellt wurden. Eventuell vorhandene Dokumente wurden darüber hinaus später vernichtet. Es gibt daher keine bekannten Primärquellen über die Taten. Unter anderem aus diesem Grund ist die genaue Zahl der Opfer nicht feststellbar. In der Literatur ist von etwa 2000 Menschen die Rede, die im Wald bei Klamry ermordet worden sind. Laut der Inschrift auf dem Gedenkstein waren es sogar über 2500 Personen. Identifiziert werden konnte jedoch nur ein Bruchteil.

In jüngster Zeit hat die für die staatsanwaltschaftliche Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Polen zuständige Stelle des Instituts für Nationales Gedenken die im Wald bei Klamry begangenen Straftaten noch einmal untersucht und am 3. März 2014 die Ergebnisse ihrer Ermittlungen veröffentlicht. Man habe die Personalien von 87 getöteten Polen feststellen können. Die Historikerin Anna Soborska-Zielińska (Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 80-84) hat die Namen von 161 Opfern ermittelt.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 31.10.2015]

Paul Goesch (1885-1940)

Paul GoeschDer Maler und Architekt Paul Goesch kam am 30.08.1885 in Schwerin als sechstes Kind von Carl und Dorothee Goesch zur Welt. Der Vater war dort Landgerichtsrat und erhielt später einen Lehrauftrag an der Berliner Universität, wo Goesch seine Jugendzeit verbrachte. Er strebte den Beruf des Architekten an und studierte von 1903 bis 1910 Architektur in Berlin, München und Karlsruhe. Während der Studienjahre unternahm er Reisen nach Frankreich, Italien, Süddeutschland und an die Ostsee.

Paul Goesch unterhielt engen Kontakt zu seinem Bruder Heinrich und dessen Frau, einer Kusine von Käthe Kollwitz. 1909 zog er zu ihnen nach Dresden. Heinrich Goesch war Professor an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe. Die Brüder interessierten sich für Philosophie und visionäre Architektur. Sie entwickelten ein “allgemein befindliches System der Ästhetik mit mathematischen Grundlagen”. Ferner publizierten sie Gedichte. Paul Goesch hinterließ in einer Turnhalle in Laubegast, die seinem Freund Eberhard Goellner als Atelier diente, Wandmalereien mit Szenen aus dem Leben Buddhas als erste Zeugnisse seines künstlerischen Wirkens.

Traumphantasie
undatiert, Deckfarben über Bleistift auf Papier, 16,5 x 20,6 cm, Sammlung Prinzhorn

Im selben Jahr erkrankte Goesch und verbrachte jeweils sechs Monate in Sanatorien in Hedemünden und in Tiefenbrunn bei Göttingen. Er konnte dennoch sein Studium abschließen und bestand 1910 in Berlin das Examen zum Regierungsbauführer. 1914 wurde er zum Regierungsbaumeister befördert. Als Anhänger der anthroposophischen Bewegung war er im Februar und März desselben Jahres am Bau des nach Plänen von Rudolf Steiner errichteten Goetheaneum in Dornach bei Basel beteiligt. Er begann nun auch, Zeichnungen und Aquarelle zu fertigen.

Paul Goesch - Selbstporträt

Selbstporträt
undatiert, Deckfarben über Bleistift auf Papier, 16,5 x 20,6 cm, Sammlung Prinzhorn

Von 1915 bis 1917 war Paul Goesch als Regierungsbaumeister in Culm an der Weichsel (heute Chełmno nad Wisłą) tätig. Hier erkrankte er schwer. Er litt an Schizophrenie und wurde in der Heilanstalt in der Nachbarstadt Schwetz (Świecie nad Wisłą) behandelt, wo er sich bis Herbst 1919 aufhielt und zahlreiche Bilder malte.

Nachdem er aus der Heilanstalt in Schwetz entlassen wurde, zog er zu seinem Vater nach Berlin und verkehrte dort in Künstlerkreisen. Er wurde unter anderem Mitglied der Novembergruppe und des Arbeitsrats für Kunst. Goesch erkrankte erneut und kam auf Dauer in die Heilanstalt Göttingen, die sein Schwager leitete. In dem Zimmer, das er bewohnte, sind Wandmalereien erhalten geblieben.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurde sein Schwager als Anstaltsleiter abberufen und Paul Goesch 1934 in eine andere Anstalt im brandenburgischen Teupitz verlegt. Die Werke Paul Goeschs waren nach dem NS-Kunstverständnis “Entartete Kunst” und für eine 1937 organisierte Ausstellung wurden drei seiner Bilder in der Mannheimer Kunsthalle beschlagnahmt. 1938 stürzte Goesch in Teupitz und musste 1939 wochenlang im Rudolf-Virchow-Krankenhaus Berlin chirurgisch behandelt werden.

Im Rahmen des von der nationalsozialistischen Ideologie entwickelten und verwirklichten sogenannten Euthanasie-Programms fiel Paul Goesch der groß angelegten, unter dem Decknamen Aktion T4 durchgeführten, systematischen Ermordung von über 100000 psychisch kranken und behinderten Menschen während der NS-Zeit zum Opfer. Am 22.08.1940 wurde Paul Goesch durch Vergasung im alten Zuchthaus Brandenburg ermordet. Eine Arbeitsgruppe der Universität Heidelberg hat vor einigen Jahren ermittelt, dass der in vielen Publikationen zu findende Todesort Hartheim bei Linz in Oberösterreich nicht zutreffend ist.

Wandgemälde Paul Goesch

Wandgemälde (fantastisches Triumphtor) undatiert, Bleistift und Wasserfarben auf Papier, 45,8 x 57,6 cm, Sammlung Prinzhorn

Von Paul Goesch sind Hunderte von Werken erhalten geblieben, die sich im Besitz verschiedener Einrichtungen befinden. Bereits in den zwanziger Jahren nahm Goesch an verschiedenen Ausstellungen in Berlin teil. In der Nachkriegszeit wurden Werke des Künstlers unter anderem in Berlin, Mannheim, Heidelberg und Los Angeles gezeigt.

Die Sammlung Prinzhorn der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg verfügt über 19 Blätter und ein Skizzenbuch aus der Heilanstalt Schwetz.

Der obige Lebenslauf Paul Goeschs beruht auf Informationen, die Frau Sabine Mechler von der Sammlung Prinzhorn (im Jahr 2005) freundlicherweise zusammengestellt hat, sowie den Angaben über den Künstler auf der Website http://www.abcd-artbrut.org. Das Foto Paul Goeschs sowie die Reproduktionen seiner auf dieser Seite abgebildeten Werke wurden ebenfalls von der Sammlung Prinzhorn zur Verfügung gestellt.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags im Jahr 2005]

Geschichte der jüdischen Gemeinde

Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Culms war lange Zeit nicht im Detail erforscht worden. Im September 2007 ist das Buch Z dziejów gminy żydowskiej w Chełmnie /
From the history of Jewish community in Chełmno,
verfasst von der im städtischen Museum tätigen Historikerin Anna Soborska-Zielińska, erschienen, das einen Überblick über das Schicksal der jüdischen Gemeinde von Culm liefert.

Zusammenfassung des Inhalts:

Einleitend stellt die Autorin Erkenntnisse über den Aufenthalt Menschen jüdischen Glaubens in Culm (poln. Chelmno) seit dem Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert dar. Sie geht davon aus, dass die jüdische Gemeinde in Culm formell 1820 gegründet worden ist. 1839 wurde ihr die amtliche Genehmigung erteilt, eine Synagoge bauen zu dürfen. 1842 erwarb die Gemeinde dann einen Obst- und Gemüsegarten an der Querstraße (poln. ul. Poprzeczna). Dieser wurde mit einer benachbarten Parzelle zusammengelegt, die bereits 1834 von zwei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde gekauft worden war, und diente als Baugrundstück. Bald darauf wurde die 18,86 m lange und 16,9 m breite Synagoge errichtet, von der leider keine Abbildungen erhalten sind. Bekannt ist lediglich eine Zeichnung der Vorderfront, die anlässlich eines Umbaus im Jahr 1911 entstand (im Buch abgebildet auf der Seite 90). Die Synagoge diente der jüdischen Bevölkerung des Kreises Culm sowie angrenzender Ortschaften. Das Buch enthält eine detaillierte Beschreibung des Einzugsbereichs. [S. 12-14]

In der Nähe der Synagoge befand sich an der Ritterstraße (ul. Rycerska) seit 1902 ein 6,70 x 3,10 m großes jüdisches Schlachthaus, in dem ein qualifizierter Schächter seine Arbeit verrichtete. [S. 13]

Lage des evangelischen und jüdischen Friedhofs in Culm (Chelmno) laut Katasterplan 1861-1903Es wird davon ausgegangen, dass die ersten Bestattungen auf dem jüdischen Friedhof in Culm im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert erfolgten. Dieser erstreckte sich mit einer Breite von 31-33 m und einer Länge von 143,6 m an der damaligen Ackerstraße (poln. ul. Rolna, heute ul. Powstancow Wielkopolskich), an der sich auch der Eingang befand. Im Jahr 1906 wurde seine Fläche mit 4463 qm angegeben. 1895 wurde ein 17,6 m langes und 9,6 m breites Taharahaus errichtet, in dem die Verstorbenen nach jüdischem Ritus auf die Bestattung vorbereitet wurden. Eine Zeichnung des Taharahauses aus den Akten der preußischen Baubehörde ist ebenso erhalten geblieben wie eine Darstellung eines Grabmals für Saling Lazarus, der die Geldmittel für den Bau des Taharahauses bereitstellte und im selben Jahr eine Ruhestätte für seine Familie errichten ließ. Die Zeichnungen sind im Buch auf den Seiten 89 und 91 dargestellt. [S. 14-15]

Die Zerstörungswut der nationalsozialistischen Besatzer, die dafür sorgten, dass sowohl Synagoge als auch der Friedhof der jüdischen Gemeinde vollkommen aus dem Stadtbild verschwanden, überdauert hat das 1865 errichtete Haus an der heutigen ul. Dominikanska 7, in dessen Kellerräumen die Mikwe, also das rituelle Tauchbad der jüdischen Gemeinde Culms, untergebracht war. 1919 verkaufte die Gemeinde das Haus, wahrscheinlich deshalb, weil viele Gemeindemitglieder im Vorfeld der Eingliederung der Stadt in den jungen polnischen Staat nach Deutschland zogen und die Unterhaltung des Gebäudes zu teuer wurde. [S. 15]

Anna Soborska-Zielinska befasst sich in ihrem Buch weiter umfassend mit dem Besuch Culmer Schulen durch jüdische Kinder und Jugendliche. [S. 15 ff] Auf den Seiten 113 – 127 befindet sich eine detaillierte Aufstellung der Schüler jüdischen Glaubens, die in den Jahren 1837 bis 1939 das Gymnasium in Culm besucht haben.

In den folgenden Kapiteln ihrer Publikation stellt die Autorin die soziale und gesellschaftliche Situation der jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert näher dar. Abgedruckt sind u.a. eine Aufstellung jüdischer Bürger der Stadt aus dem Jahr 1832 sowie ein Verzeichnis jüdischer Geschäftsinhaber aus dem Jahr 1937. An vielen Einzelbeispielen beschreibt Anna Soborska-Zielińska, welchen Berufen jüdische Einwohner nachgingen. [S. 19 ff]

Erhalten haben sich Informationen über das politisch-gesellschaftliche Engagement jüdischer Bürger zur preußischen Zeit. So war der 1895 verstorbene Bankier Arnold Ruhemann viele Jahre lang Mitglied des Stadtrats und sogar Ratsvorsitzender. 1909 waren von 36 Ratsmitgliedern fünf jüdischen Glaubens. Elf Männer dienten während des Ersten Weltkriegs in der deutschen Armee und starben infolge von Kriegsverletzungen. Ab 1920 kamen die männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihrer Wehrpflicht in der polnischen Armee nach. [S. 21 ff]

Weiter beschreibt Anna Soborska-Zielinska das polnisch-jüdische Verhältnis in den Zwischenkriegsjahren, insbesondere nennt sie Beispiele und Gründe für antisemitische Haltungen. Sie erwähnt, dass diese auch in der Presse zum Ausdruck kamen. [S. 24 f]

Zur Ergänzung der Ausführungen der Autorin möchte ich bei dieser Gelegenheit auf zwei Artikel aus der Tageszeitung “Goniec Nadwislanski” hinweisen, auf die ich zufällig gestoßen bin: Die Zeitung lobt in ihrer Ausgabe vom 28.12.1927 in einer kurzen Meldung den Cafebesitzer Władysław Frackowiak für den Kauf des Hauses an der ul. Rybacka 7, für das sich offenbar seit längerer Zeit jüdische Geschäftsleute interessiert hatten. Dem polnischen Erwerber gebühre „aufrichtige Anerkennung” für den Erwerb “dieses vom Übergang in uns feindliche jüdische Hände bedrohten Hauses”, kommentiert die Zeitung. Am 18.11.1927 wiederum rügt die Zeitung einen namentlich genannten polnischen Hauseigentümer aus Culm, weil er Geschäftsräume an einen jüdischen Kaufmann vermietet hatte. Auch die Vermietung einer Wohnung an eine jüdische Familie durch einen anderen Einwohner der Stadt wird mit scharfen und klar antisemitischen Worten von der Zeitung kritisiert.




Die Seiten 25 bis 31 enthalten statistische Daten über die jüdische Bevölkerung Culms. Im Jahr 1816 sind 42 der 3525 Einwohner der Stadt Culm jüdischen Glaubens. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte nimmt die Einwohnerzahl bis 1864 auf 8262 zu. Davon sind 520 Juden. Ihre Zahl geht danach zurück. 1910 werden nur noch 248 Personen jüdischen Glaubens verzeichnet. Nach der Eingliederung Culms in den wieder erstandenen polnischen Staat wandern viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde nach Deutschland, Danzig oder Amerika aus. 1921 zählt die Gemeinde 77 und 1923 nur noch 39 Mitglieder. Sechs Jahre später sind es 44.

Die Seiten 32 und 33 sind der Organisation der jüdischen Gemeinde gewidmet, deren wichtigste Organe von 1847 bis 1928 ein dreiköpfiger Vorstand und ein Gemeinderat mit neun Mitgliedern waren, die alle sechs Jahren neu gewählt wurden. Für einige Kadenzen ist die namentliche Zusammensetzung dieser Gremien bekannt. Bis 1932 blieb die jüdische Gemeinde in Culm selbständig. Angesichts der abnehmenden Mitgliederzahl besaß sie in der Zwischenkriegszeit keinen Rabbiner mehr und wurde schließlich 1932 der Gemeinde in Graudenz (Grudziadz) angeschlossen.

Überliefert sind die Namen von drei Rabbinern der Culmer Gemeinde: Ab 1861 (vielleicht auch schon früher) übte Dr. Fabian Feilchenfeld, Religionslehrer am Culmer Gymnasium, diese Aufgabe aus. Seine 1861, 1864 und 1869 geborenen Söhne besuchten diese Lehranstalt. Sein Nachfolger wurde Dr. Moritz Salzberger (Vater von Georg Salzberger), der ab 1878 am Gymnasium unterrichtete, bis er 1886 nach Erfurt zog. Ebenfalls als Religionslehrer am Gymnasium tätig war ab 1887 Dr. Moritz Guttmann, dessen beiden Söhne dort zur Schule gingen. Guttmann verstarb 1914 in Culm.

Mit dem Zweiten Weltkrieg und der nationalsozialistischen Besatzung endet die Geschichte der jüdischen Gemeinde Culms auf tragische Weise. In den ersten Monaten nach der Okkupation Polens, also im Herbst 1939, kommt es zu planmäßig durchgeführten Verhaftungen und der Ermordung von Menschen, die der polnischen Intelligenz zugerechnet wurden, aber auch Menschen jüdischer Abstammung (vgl. hierzu das Kapitel Vernichtungsmaßnahmen im Beitrag Die nationalsozialistische Okkupation Kulms 1939-1945). Die meisten der in Culm wohnenden Juden – einige konnten fliehen und kamen schließlich ins Warschauer Ghetto – wurden im Wald bei Klamry ermordet, nämlich Artur Breslauer, Paula Bukowcer, Berta, Dora und Szmul Cuker, Izydor und Jenny Feibel, Maks und Minna Feibus, Selma und Zygfryd Ginzel sowie ihr Sohn, Artur und Jenny Loewenberg, Frieda Reinfeld, Regina und Szmul Rein sowie Szymon Wejner (S. 34 oben).

Auf der Seite 33 erinnert die Autorin daran, dass vor ihrer Ermordung jüdische Einwohner Culms von Deutschen durch die ul. Rycerska und ul. Torunska getrieben und gezwungen wurden, auf dem Marktplatz mit Löffeln Unkraut aus den Fugen des Kopfsteinpflasters zu kratzen.

Ende Oktober oder Anfang November 1939 sprengten die Deutschen die Synagoge und verbaten der Feuerwehr, den ausgebrochenen Brand zu löschen. Noch verwendbares Baumaterial wurde verkauft. So erwarb der Landwirt Teodor Brüggemann aus Dorposz am 4. November 1939 Ziegel für den Bau eines Stalls. Das Grundstück wurde vollkommen geräumt, um jedwede Spuren, die an die Synagoge erinnern könnten, zu beseitigen. Zunächst wurde hier ein Kinderspielplatz angelegt, später entstanden Garagen (Nachtrag vom 13.07.2012: Die Lage der Synagoge wird in folgendem Beitrag beschrieben: Standort der 1939 zerstörten Synagoge in Chełmno).

Von der Bildfläche verschwinden sollte auch der jüdische Friedhof. Selbst aus seiner Auflösung schlug die NS-Verwaltung noch wirtschaftlichen Profit, verkaufte nämlich die Grabsteine aus Granit an den Steinmetz Jacob Job aus Bydgoszcz. Das Friedhofsgelände wurde eingeebnet und für den Bau von Mehrfamilienhäusern ausgewiesen. Diese Arbeiten liefen bis Anfang 1943. Am 24. Januar 1944 wurde die 4463 qm große Fläche für 6694,50 Reichsmark an die Neue Heimat Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft der Deutschen Arbeitsfront im Gau Danzig-Westpreußen verkauft.

Auf den Seiten 35-36 beschreibt Anna Soborska-Zielinska das Engagement der Familie Kaczmarek, die in der ul. Rycerska wohnte und 1943 das jüdische Mädchen Rebeka Motyl aufnahm, dessen Mutter kurz nach Kriegsausbruch von den Deutschen ermordet worden war und dessen Vater auf der ständigen Flucht einen sicheren Ort für Rebeka und ihren Bruder Mieczyslaw suchte. Die Familie Motyl wohnte vor dem Krieg in Golub, rund 60 km von Culm (Chelmno) entfernt. 1943 wurden schließlich dort die beiden Kinder von Jozef Matuszewski aufgenommen, der jedoch fürchtete, dass die Kinder in ihrer Heimatstadt erkannt werden könnten. Daher brachte er Mieczyslaw bei der Familie seiner Ehefrau in der Nähe von Cekcyn unter, Rebeka hingegen bei seiner Schwester Wladyslawa, die mit ihrem Ehemann Franciszek und der Tochter Teresa in Culm wohnte. Es gelang, für Rebeka falsche Ausweispapiere auf den Namen Regina Kwiatkowska zu beschaffen und am 20. Januar 1944 wurde Rebeka als „Regina“ behördlich gemeldet. Da das Mädchen bald das schulpflichtige Alter erreicht hatte, wurde Franciszek Kaczmarek mehrmals vorgeladen, konnte jedoch die ihn befragenden Beamten überzeugen, dass es sich um das Kind entfernter Verwandter handele, die durch Kriegseinwirkungen ums Leben gekommen seien. Gefährlich war zudem der Umstand, dass das Haus der Kaczmareks in der ul. Rycerska an das des SS-Mitglieds Plotzke grenzte, dessen Kinder sogar mit „Regina“ auf dem Hof zusammen spielten. Jedoch blieb die wahre Identität „Reginas“ bis zum Abzug der deutschen Besatzer unentdeckt. Ihr Vater erschien zwar nach Kriegsende in Culm, verließ die Stadt dann aber wieder, ohne dass sein weiteres Schicksal bekannt ist. Danach bot sein Bruder Samuel an, Rebeka aufzunehmen, jedoch wollte das Mädchen bei den Kaczmareks bleiben, für die sie mittlerweile wie eine zweite Tochter war. Schließlich wurde Rebeka jedoch von Vertretern der jüdischen Gemeinde in Polen abgeholt und kam gemeinsam mit ihrem Bruder Mieczyslaw über die Tschechoslowakei und Deutschland nach Frankreich. Noch 1947 schickte Rebeka ihrer Pflegefamilie Briefe nach Polen. Schließlich wanderte sie nach Israel, ihr Bruder in die USA aus. 1991 besuchte Rebeka zum ersten Mal nach langen Jahren Polen und traf auch Wladyslawa und Teresa Kaczmarek, die am 3. Dezember 1991 in Warschau ebenso wie der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbene Franciszek Kaczmarek für die Rettung Rebeka Motyls mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden.

Im Folgenden enthält das Buch eine ausführliche Beschreibung des Verlaufs der Veranstaltung Pamięć i Tolerancja (Gedächtnis und Toleranz), die am 12. und 13. Mai 2007 in Chelmno und Swiecie stattfand und vor allem dem Gedenken an die jüdischen Gemeinden der beiden Weichselstädte diente.

Das Buch beruht auf eingehenden Recherchen und enthält viele Detailangaben wie beispielsweise viele Namen jüdischer Einwohner der Stadt, deren Nennung den Rahmen der obigen Zusammenfassung sprengen würde.

Kartenausschnitt mit Lage des jüdischen Friedhofs aus: Czacharowski, Antoni (Hrsg.), Atlas historyczny miast polskich, Tom I, Prusy Królewskie i Warmia, Zeszyt 3 Chełmno [Historischer Atlas polnischer Städte, Band I, Königliches Preußen und Hochstift Ermland, Heft 3 Kulm], Toruń 1999

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 18.02.2008]

Adressbuch 1941

Nach dem Adressbuch 1928 und dem Telefonbuch 1939 habe ich die die Stadt Chełmno (amtliche Bezeichnung während der Besatzungszeit: Kulm an  der Weichsel) betreffenden Einträge aus einem in der Digitalen Bibliothek Kujawien-Pommern verfügbaren Adressbuch von 1941 (Deutsches Reichs-Adressbuch. Die Ostgebiete : Reichsgau Danzig-Westpreussen, Reichsgau Warthenland, Provinz Oberschlesien, Reg.-Bez. Zichenau und Landkreis Suwalki, Ortsverzeichnis, Branchenverzeichnis) in die folgende Aufstellung übernommen, deren Reihenfolge der des Originals entspricht. Die Schreibweise habe ich im Wesentlichen beibehalten.

Die Abkürzung „FT“ bedeutet Fernsprechteilnehmer und steht vor der jeweiligen Telefonnummer, „Ps“ Postscheckkonto, „Da.“ Danzig und „Bn.“ Berlin.

Obwohl dieses Behörden- und Branchenverzeichnis aus der Zeit der deutschen Besatzung Polens den Titel „Reichs-Adressbuch“ trägt, sind bei den einzelnen Einträgen leider keine Adressen angegeben. Die Stadt Chełmno ist unter Kulm (Weichsel) auf den Seiten 105 und 106 dieses „Reichs-Adressbuchs“ zu finden.

7. Juli 2012  – Andreas Prause


KULM (Weichsel). Kreisstadt. (…)

Behörden:
Reichsbahnbetriebsamt
Staatl. Gesundheitsamt
Wehrmeldeamt
Arbeitsamt-Nebenstelle
Kreisschulamt
Finanzamt
Vermessungsamt
Wasserstrassenamt

Schulen:
Gymnasium
Herm.-Löns-Oberschule

Kirchen:
1 evang.
3 kath.

Bürgermeister: Buchwald
Gas- und Wasserwerk: Städtisch
Krankenhaus: Kreiskrankenhaus, Chefarzt Dr. Krings (Chir.)
Schlachthof: Pröbsting
Feuerwehr: Wehrführer Bergmann
Deutsche Rote Kreuz – Bereitschaft: Dr. Krings

Eingetragene Firmen:
Chmurzynski, Josef, Gurkeneinlegerei, FT 165
Deutsche Volksbank EGmbH, Bromberg, Zweigstelle Kulm a. W., Geldinstitut, FT 75, Ps 2670 Da.
Fitzermann, Gebr. (Treuhänder Gg. Donath), Korbwarenfabrik, FT 85
Huth, Hans (Hans H.), Drahtwarenfabrik, FT 68, Ps 4549 Da.
Kulmer Dampfziegelei Lothar Rost, Ziegelei, FT 158
Kulmer Stadtdruckerei Fritz Ring, Buchdruckerei, FT 158
Kulmer Zeitung GmbH, FT 140
Kürbis & Co., Erich, Handelsvertreter, FT 80
Lehmann, Günter, Fassbänder u. –reifen, FT 84, Ps 112566 Bn.
Lemon, Johannes (Gebr. L.), Spediteur, FT 46
Marienmühle A. Meseck & W. Schultze (Arthur Schmidt u. W. Schultzes Erben), Mühle u. Sägewerk, FT 18, Ps 4445 Da.
Reiss, Oskar, Kolonialwarengrosshandlung, FT 128
Thiel & Co., Malzfabrik, FT 21
„Unia“ vorm. R. Peters (Treuhänder Rud. Peters), Landwirtschaftl. Maschinenhandlung, FT 20
Warengenossenschaft Raiffeisen EGmbH, Landesprodukte, FT 26
Ziegelei Saturn (Fritz Kiepert), FT 41

Aerzte:
Draczkowski
Pohlmann, Friedr.

Zahnärzte:
Falst, Werner

Tierärzte:
Pröpsting
Rosenkrantz, Herbert

Apotheken:
Hempel, Gerd (Ratsapotheke), FT 161

Bäcker:
Derra
Drozdowski, Alwin
Franz, Roh, FT 156
Gurkiewicz, Leo
Menz, Ad.
Musall, Aug.
Neske, Ewald, FT 90
Ragoss, Erich,
Schwichtenberg, Erich, FT 144

Baugeschäfte:
Parpart, Hugo
Ragoss, Erwin, FT 159

Baustoffhandlung:
Frucht, Fritz, FT 38, Ps 4556 Da.

Biergrosshandlung:
Erdmann, Theodor, FT30

Brennmaterialien:
Frucht, Fritz, FT 38, Ps 4556 Da.
Wedel, Ernst, FT 14

Buchdruckereien:
Bingke, Wilh.
Kulmer Stadtdruckerei Ring, Fritz

Buchhandlung:
Bromundt, Wilh., FT 149

Dachdecker:
Robin, Max
Brosowski, Alex
Nowacki, Franz

Dentisten:
Klebba, Herbert, Ps 4375 Da.
v. Dessonneck, Hans-Georg, Ps 4251 Da.

Drahtwarenfabriken:
Huth, Hans

Drogenhandlung:
Klomfass, Bruno (Central-Drogerie)

Eisen- u. Stahlwarenhandlung:
Golebiewski, S., FT 15
Reiss, Werner, FT 152

Elektrische Installationen:
Ciechanowski, Theo
Groschewski, Frz.
Kunz, Hans, FT 11
Slomkowski, Leo

Färbereien u. Druckereien:
Steffen, Eduard, FT 74

Fassbänder u. – reifen:
Lehmann, Günter

Fleischer:
Dembeck, Lor.
Flöter, Ewald
Frackowski, Joh.
Grzywaczenski, Frz.
Hoppe, Frz.
Kensik, Karl
Patzke, Erwin
Perschke, Theodor
Pofelski, Jul.
Pohl, Herb., FT 96
Schönrock, Otto
Slomski, Wladisl.
Wojciechowski, Leo

Friseure:
Beyer, Willi
Borowski, St.
Epding, Alw.
Jakubowski, M.
Kwas, Leop.
Schmantz, Gottl.
Zlelewski, Frz.

Fuhrwesen (Auto):
Werwitzki, Otto, FT 1

Geldinstitute:
Deutsche Volksbank EGmbH
Kreissparkasse, FT 50, Ps 1177 Da.

Glaser:
Kawecki, Frz.

Glas- und Porzellanwarenhandlung:
Becker, Wilh., FT 51

Gurkeneinlegereien:
Chmurzynski, Josef, FT 165

Handelsvertreter:
Kürbis & Co., Erich (Landesprodukte)

Hebammen:
Ringel, Betty, FT 160

Hotels u. Gasthöfe:
Bahnhofshotel (Paul Subkowitz), FT 165
Pelzer, Bruno, FT 141
Schalwicki, Paul, FT 61
Wohlert, Willy

Klempner:
Habendorf, Herm., FT 97
Knopf, Alois
Zander, Alb.

Kohlengrosshandlung:
Wedel, Ernst, FT 14

Kolonialwarengrosshandlung:
Reiss, Oskar

Kolonialwarenhandlung:
Bunk, Otto, FT 95
Chlosta, Jos.
Filarski, Alex, FT 73
Kasztellan, Jos.
Kraftke, Gertrud
Neumann, Hch.
Prelowski, Thomas
Ross, Willy, FT 79
Schalwicki, Paul, FT 61
Stroinski, Jos.
Strzenkowski, W.
Swietlik, Maria
Szalwicki, Paul
Trykowski, Alf.
Winiarski, Emilie
Winkowski, Gg.
Wittek, Alfr.
Ziolkowski, Stanislawa

Konditoreien:
Nielson, Arthur, FT 104
Pelzer, Bruno, FT 141

Korbwarenfabriken:
Fitzermann, Gebr. (Treuh. Gg. Donath)

Landesprodukte:
Landwirtschaftliche Grosshandelsges. mbH (Zentrale in Danzig), FT 26
Warengenossenschaft Raiffeisen EGmbH

Landwirtschaftl. Maschinenhandlung:
„Unia“, vorm. Peters, R.

Lichtspieltheater:
„Appollo“ (Leitreiter)

Likörfabriken:
Priebe, Walter, FT 49

Malzfabriken:
Thiel & Co.

Manufaktur- und Modewarenhandlung:
Altendorf, Theod., FT 5
Hohensee (Adolf-Hitler-Platz)
Hohensee (Wasserstr.)
Muziol, Max, FT 69
Scheffler, Otto, FT 129

Maurermeister:
Rosinski, Johann

Mechaniker:
Granowski, Alb.

Mühlen (Getreide):
Marienmühle A. Meseck & W. Schultze

Obstbaubetriebe:
Kalweit, Ernst, Ps 2752 Da.

Photograph. Ateliers:
Kawala, Fr.
Lamanski, Florian

Restaurationen:
Badziong, Leonh.
Fiebig, Adolf
Filarski, Alex
Janeczkowski, Leo
Kaczinski, Thom.
Supkowitz, Paul

Rohprodukte:
Seidel, Elfriede, FT 62

Rundfunkapparatehandlung:
Kurz, Hans, FT 11

Sägewerke:
Marienmühle A. Meseck & W. Schultze
Schönauer Mühlen- u. Sägewerke AG [Treuh. Georg Schauer] (Zentr. in Schönau), FT 24

Sattler:
Bartsch, Ferd.
Buller, Gust.
Marx, Leop.

Sauerkrautfabrik:
Chmurzynski, Josef

Schiffahrtsgesellschaften:
Bromberger Schleppschiffahrt AG (Zentrale in Bromberg), FT 93

Schlosser:
Bunn, Otto u. Walter
Eblowski, St.
Kalweit, Walter
Leitreiter, Bruno, FT 16
Schipper, Leo
Tobolski, Joh.

Schmiede:
Büttner, Joh.
Jakala, St.
Pohl, Willy
Röhr, Kurt

Schneider:
Badziong, Sigism.
Badziong, Wladis.
Bergmann, Ernst
Brzeznikowski, Bernh.
Czarnecki, Max
Dewner, Willy
Gaca, Ant.
Ganasinski, Joh.
Gesicki, Wladisl.
Hahn, Ferd.
Olszewski, Ignatz
Ostrowski, Ant.
Palmowski, Felix
Ryzkowski, Anton

Schneiderinnen:
Franz, Hedwig
Rekowski, Anna
Schulz, Else

Schokoladen- und Zuckerwarenhandlung:
Lukullus Zucker- und Schokoladenfabrik Franz Lehmann (Zentrale in Bromberg), FT 142

Schornsteinfegermeister:
Cziba, Wilhelm
Grustmann, Wladisl.
Lewandowski, Bruno
Meinhold, Frz.
Mickiewicz, K.

Schuhhandlung:
„Bata” Schuh- u. Lederwerke AG (Zentrale in Chelmek O./S.) [Kom. Verw. Heinz Mahnkopf]

Schumacher:
Abraham, Max
Reczinsky, Joh.
Berger, Bruno
Gatkiewicz, Stanisl.
Prüfer, Gust.
Reiske, Joh.
Stalmierski, Frz.
Szewczykowski, Frz.
Therl, Joh.

Spediteure:
Lemon, Johannes

Stellmacher:
Orlikowski, Emil

Strumpf- und Wollwarenhandlung:
Altendorf, Theod.
Marohn, Gertrud
Romalm, K.

Tischler:
Hinz, Erich, FT 145
Wedel, Eduard, FT 92, Ps 4235 Da.

Töpfer:
Czarnecki, Jos.
Czaster, Konstant.
Dwinsky, Ant.
Jordan, Otto
Templin, Stanisl.

Viehhandlung:
Seidel, Karl, FT 62

Weinhandlung:
Okomar, Franz, FT 175

Ziegeleien:
Kulmer Dampfziegelei Lothar Rost
Ziegelei Saturn

Zigarrenhandlung:
Fiebig, Ad.
Okomar, Franz, FT 175
Supkowitz, Paul

Zimmermeister:
Parpart, Hugo

Katyń-Denkmal

Der berühmte Regisseur Andrzej Wajda hat in seinem 2007 produzierten Film Katyń ein Ereignis und seine Nachwirkungen verarbeitet, das sich tief ins Bewusstsein der polnischen Gesellschaft eingebrannt hat.

Katyn-Denkmal in Chełmno Mit einem geheimen Zusatzprotokoll zum später als Hitler-Stalin-Pakt bezeichneten Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 hatten das Dritte Reich und die Sowjetunion ihre Interessensphären in Polen abgesteckt. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 und dem für die polnische Bevölkerung überraschenden Einrücken der Sowjetarmee am 17. September 1939 in Ostpolen wurde diese vierte Teilung Polens durch den sog. deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag am 28. September 1939 besiegelt. Durch das relativ schnelle Vorrücken der deutschen Armeen hatte sich das Kriegsgeschehen ab Mitte September vorwiegend nach Ostpolen verlagert. Dadurch kamen viele polnische Armeeangehörige und Polizeibeamte in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Das Politbüro der KPdSU erließ im Frühjahr 1940 den Befehl, tausende polnische Gefangene durch den sowjetischen Geheimnis NKWD hinrichten zu lassen. Ihre Leichen wurden an verschiedenen Stellen in Massengräbern verscharrt.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und der Besetzung sowjetischer Gebiete entdeckten Wehrmachtsangehörige im Februar 1943 in einem Waldgebiet bei der Ortschaft Katyń nahe Smolensk Massengräber mit Leichen polnischer Offiziere. Die Polnische Exilregierung forderte darauf eine internationale Untersuchung der Funde, wodurch es zu ihrem Bruch mit Moskau kam. Die Nationalsozialisten nutzten das Massaker von Katyń zu gegen die Sowjetunion gerichteten Propagandazwecken und gestatteten einer internationalen Untersuchungskommission, die unter anderem mit Gerichtsmedizinern besetzt war, die Massengräber in Augenschein zu nehmen. Diese kam zum Schluss, dass die Tötungen der polnischen Offiziere im Frühjahr 1940 erfolgt waren.
Nachdem die Rote Armee Ende 1943 die deutschen Truppen zurückgedrängt hatte, führte die Sowjetunion eine erneute, ihrer Propaganda genehme, Untersuchung durch, die einen späteren Todeszeitpunkt (Herbst 1941) feststellte und den Massenmord dem Dritten Reich anlastete.

Die nationalsozialistische Täterschaft war bis zur Wende 1989/90 Gegenstand der offiziellen Geschichtsschreibung in der Sowjetunion und den anderen Ostblockstaaten. Erst 1990 gestand die Sowjetunion ihre Verantwortung ein. Im Oktober 1992 ordnete der russische Präsident Jelzin an, Polen Kopien von noch vorhandenen Dokumenten über das Massaker zu überlassen, die anschließend sowohl in Polen als auch in Russland veröffentlicht worden sind. Bis heute laufen historische Forschungen, weil die Geschehnisse vom Frühjahr 1940 bisher nicht im Detail aufgeklärt werden konnten.

Auch in Polen konnte über die wirklichen Täter der Massenexekutionen in der Nachkriegszeit nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werden. Besonders deshalb ist bis heute das Bedürfnis nach vollständiger Aufklärung der Vorgänge und nach einer Erinnerung an die Opfer besonders groß. So hat das polnische Parlament am 14. November 2007 beschlossen, den 13. April als Gedenktag für die Opfer der Verbrechen von Katyń zu begehen.

Mit Katyń verbindet sich ein weiteres tragisches Ereignis der jüngsten polnischen Geschichte, bei dem 96 Menschen starben. Die Passagiere der am 10. April 2010 beim Landeanflug auf den Militärflugplatz Smolensk-Nord abgestürzten polnischen Regierungsmaschine, unter anderem Staatspräsident Lech Kaczyński, seine Ehefrau Maria, der letzte Staatspräsident der Polnischen Exilregierung Ryszard Kaczorowski, hohe Offiziere sowie Vertreter von Parlament, Regierung, Behörden, Glaubensgemeinschaften und Verbänden, waren anlässlich des 70. Jahrestages des Massakers auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Soldatenfriedhof Katyń.

In Culm (Chełmno) erinnert an die aus der Stadt stammenden Offiziere, die 1940 in der Sowjetunion ermordet worden sind, unter anderem ein am 24. Juni 1995 enthüllter Gedenkstein auf dem Platz vor der Garnisonskirche. Dieser enthält in polnischer Sprache folgende Inschrift:

Den Soldaten der Culmer Garnison, nämlich des 66. Kaschubischen Infanterieregiments und des 8. Kavallerieschützenregiments, die vom NKWD im Jahr 1940 in Katyń und an anderen Hinrichtungsstätten während des Zweiten Weltkriegs ermordet worden sind.

Folgende Offiziere der genannten Regimenter, die in Culm stationiert waren, gehören zu den Opfern von Katyń:

66. Kaschubisches Infanterieregiment
Rafał Sołtan
Jerzy Jeleniewicz
Józef Kordasiewicz
Stanisław Podwiński
Józef Ruszar
Władysław Dworczak
Tadeusz Gąsiorowski
Eugeniusz Rykowski
Jerzy Terlicki
Antoni Boczek
Józef Grzanka
Szczepan Eugeniusz Łuczak
Ludwik Młynarczyk
Józef Wawrzyniak
Edmund Wróblewski
Michał Frank
Izydor Janca
Mieczysław Nierzwicki
Leon Porasiński
Paweł Przytuła

8. Kavallerieschützenregiment
Jerzy Staniszewski
Arkadiusz Dejewski
Julian Janas
Kazimierz Duczko
Ignacy Prądzyński
Tadeusz Sikorski

Offizier der Staatspolizei
Witold Nowakowski

Den Offizieren des 66. Kaschubischen Infanterieregiments wurde darüber hinaus eine am 21. Juni 1998 enthüllte Gedenktafel gewidmet, die sich im Innern der Garnisonskirche befindet.

Wie sehr die verbrecherische Kooperation der totalitären Nachbarmächte Polens Einfluss auf das Schicksal einzelner polnischer Familien hatte, zeigt das tragische Lebensende von Jan Nierzwicki (Vater) und Mieczysław Nierzwicki (Sohn).

Der 1874 geborene Zahnarzt Jan Nierzwicki hatte sich nach seinem Studium in München in Culm niedergelassen und engagierte sich noch zu preußischer Zeit in polnischen Organisationen. Während der Zwischenkriegsjahre setzte er sein umfangreiches gesellschaftliches und politisches Engagement fort. Insbesondere hat er als Heimatforscher mehrere Publikationen veröffentlicht, die unter anderem der Geschichte der Kirchengemeinde und der des örtlichen Gymnasiums gewidmet sind.

Zur örtlichen polnischen Führungsschicht zählend, deren Auslöschung sich die Nationalsozialisten zum Ziel gemacht hatten, wurde er kurze Zeit nach der deutschen Besetzung Polens inhaftiert und am 5. November 1939 in Klamry ermordet.

Familiengrab Nierzwicki in ChełmnoSein 1915 in Culm geborener Sohn Mieczysław, der 1934 am örtlichen Gymnasium seine Abiturprüfung bestanden und als Buchhalter in der Przechowo-Młyny i Tartaki S.A. in Przechowo unweit seiner Heimatstadt gearbeitet hatte, wurde als Reserveoffizier dem 66. Kaschubischen Infanterieregiment zugeteilt und gehört zu den Opfern von Katyń.
An Vater und Sohn erinnern Gedenktafeln am Familiengrab auf dem katholischen Friedhof in Culm.


Quellen:

  • Anna Soborska-Zielińska, Pomnik Katyński, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 186 ff
  • Anna Soborska-Zielińska, Tablica pamiątkowa poświęcona oficerom 66 Kaszubskiego Pułku Piechoty im. Marszałka Józefa Piłsudskiego pomordowanym w 1940 roku przez NKWD w Katyniu i innych miejscach kaźni, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 200 ff
  • Stefan Rafiński, Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 131

Aktion T4 – Ermordung von Patienten der Psychiatrischen Anstalt Schwetz (Świecie)

Ein tragisches Schicksal nahmen im Herbst 1939 nach der Besetzung Polens durch das nationalsozialistische Deutschland die damaligen Patienten der 1855 gegründeten und bis heute bestehenden Psychiatrischen Anstalt in Schwetz (Świecie), die im Rahmen der sogenannten Aktion T4 ermordet worden sind. Es wird geschätzt, dass in den besetzten Gebieten Polens nach Kriegsbeginn innerhalb weniger Monate 10000 bis 15000 psychisch kranke Menschen systematisch getötet wurden[1]. Vom 10. bis zum 17. September 1939 wurden von den 1200 Patienten der Psychiatrischen Anstalt in Schwetz rund 1000 in Wäldern im Kreisgebiet erschossen. Bewohner umliegender Dörfer wurden gezwungen, vor Ort Massengräber auszuheben. Bekannt ist, dass die Morde von einer 30 Mann starken Einheit des volksdeutschen Selbstschutzes unter dem Kommando des Schwetzer Brauereibesitzers Rost begangen worden sind. Auch SS-Männer des Wachsturmbanns Kurt Eimann waren an dem Massenmord beteiligt. Unter den Opfern aus der Schwetzer Anstalt befanden sich 120 Kinder.[2]
Das Oberste Nationaltribunal Polens, vor dem sich der Gauleiter von Danzig-Westpreußen Albert Forster nach dem Krieg wegen seiner Verbrechen verantworten musste, befasste sich unter anderem mit der Umsetzung des sogenannten Euthanasieprogramms im westpreußischen Raum. In diesem Zusammenhang wurde Aleksander Zielonka, der während der fraglichen Zeit Pfleger in der Psychiatrischen Anstalt Schwetz war, als Zeuge vernommen. Er sagte über die “Liquidation” dieses Krankenhauses Folgendes aus:

Vorsitzende des Tribunals: Wie verlief diese Liquidation?
Zeuge Aleksander Zielonka: In die Anstalt für psychisch Kranke kam damals ein gewisser deutscher Arzt, aus Hamburg, wie man sagte, um die Liquidation der Anstalt durchzuführen. Seinen Namen kannte ich nicht. Sein Nachfolger war Dr. Neber. Tag für Tag kamen Lastkraftwagen zur Anstalt gefahren. Auf einen wurden jeweils sechzig Kranke geladen. Es kamen mindestens zwei Fahrzeuge. Sie wurden irgendwo in die Gegend von Jeżewo gebracht und dort am Wald erschossen. Von einem SS-Mann, an dessen Namen ich mich nicht erinnere, habe ich erfahren, dass sie deshalb erschossen wurden, weil sie eine Last für das Deutsche Reich waren. Die Liquidation dauerte etwa fünf, sechs Tage. Die übrigen Kranken, es waren 350 bis 370, wurden nach Kocborowo transportiert, wo sie auch erschossen wurden. Aus dem Munde eines Deutschen, der ein gutes Verhältnis mit den Polen unterhielt und für ein Gläschen Wodka viel erzählte, habe ich vom Verlauf der Exekution erfahren, bei der dieser Deutsche anwesend war. Er erzählte, dass aus dem Fahrzeug jeweils drei Kranke geführt wurden und im Bereich des Hinterkopfs erschossen wurden.
Danach wurde mit der Liquidation des Kinderpavillons begonnen. Die Kinder haben sich gefreut, dass sie mit einem Auto fahren, derweil wurden sie erschossen. Die Kinder wurden auf folgende Weise ermordet. Erst wurden sie alle auf eine Wiese gelassen und anschließend wurde auf sie geschossen wie beim Scheibenschießen.

Vorsitzende: Waren es viele Kinder?
Zeuge: Mehr als hundert.

Vorsitzende: Und alle wurden mit einem Transport weggebracht?
Zeuge: Ja, mit zwei Fahrzeugen.

Vorsitzende: Fand die Exekution an demselben Ort statt?
Zeuge: Ja, in Jeżewo.

Vorsitzende: In welchem Alter waren diese Kinder?
Zeuge: Im Alter von viereinhalb bis fünf Jahren.

Vorsitzende: Diese Kinder wurden also weggebracht und später wurde eine Jagd auf sie veranstaltet. Von wem haben Sie das erfahren?
Zeuge: Vom SA-Mann Treptow, der an dieser Exekution teilgenommen hat.

Vorsitzende: Hat Ihnen einer der SA-Männer erzählt beziehungsweise wissen Sie, auf wessen Anordnung die Vernichtung der geistig Kranken erfolgt ist?
Zeuge: Man sagte mir, dass man eine solche Anordnung aus Danzig (Gdańsk) erhalten habe.

Vorsitzende: Sind die polnischen Ärzte im Krankenhaus verblieben?
Zeuge: Sie blieben noch einen Monat lang, später kamen sie unter Hausarrest. Der Direktor der Anstalt wurde in unbekannte Richtung verschleppt. Man sagte, dass er getötet worden sei. Anderen Ärzten ist es gelungen zu flüchten.[3]

Quellen:
[1] Schenk, Dieter: Albert Forster gdański namiestnik Hitlera, Gdańsk 2002, S. 262
[2] Gut, Agata: Eutanazja – ukryte ludobójstwo pacjentów szpitali psychiatrycznych w Kraju Warty i na Pomorzu w latach 1939-1945, Website des Instituts des Nationalen Gedenkens www.ipn.gov.pl (03.04.2008)
[3] Podgóreczny, Marian: Albert Forster – gauleiter i oskarżony, Gdańsk 1977, S. 306 f

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 03.04.2008]

NS-Verbrechen am 8. Oktober 1939 in Schwetz (Świecie)

Am Culm gegenüberliegenden, westlichen Weichselufer erstreckt sich die Kreisstadt Schwetz (poln. Świecie), die 1938 von 8513 Menschen bewohnt wurde. Der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung in der Stadt betrug im Jahr 1934 6,5%. Im gesamten Kreisgebiet lebten fünf Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 70620 Personen polnischer Nationalität, 13691 waren deutscher Herkunft und 211 jüdischen Glaubens[1]. In den Vorkriegsjahren entwickelte sich im Kreis Schwetz eine Ortsgruppe der NSDAP, die im Juli 1937 51 Mitglieder zählte. An Parteiveranstaltungen nahmen im Frühjahr 1938 über 100 Personen teil[2].

Ähnlich wie in Culm vollzog sich auch in Schwetz nach der Einnahme des Kreisgebiets durch die Wehrmacht Anfang September 1939 rasch der Aufbau des nationalsozialistischen Machtapparats. Von den Besatzern durchgeführte Verhaftungen und Erschießungen von Teilen der einheimischen, polnischen und jüdischen, Bevölkerung sind als prägende Vorgänge während der ersten Monaten der Besatzung nach dem Krieg eingehend untersucht worden. Besonders bemerkenswert ist ein schriftlicher Zeugenbericht über einen Massenmord auf dem jüdischen Friedhof von Schwetz am 8. Oktober 1939. Bemerkenswert deshalb, weil er vom Kompanieführer der 3. Kompanie der Krankentransport-Abteilung 581 der deutschen Wehrmacht stammt, die in dieser Zeit in Schwetz stationiert war, und an Hitler gerichtet ist. Das Dokument hat folgenden Inhalt:

An den obersten Befehlshaber der Wehrmacht und Führer des Deutschen Volkes Adolf Hitler. Auf dem militärischen Dienstwege! Ich melde: Am Sonntag, den 8. Oktober 1939 gegen 13 Uhr berichteten mir der Unteroffizier Kleegraf, Gefreiter Kluge sowie der Gefreite Roschinski im Beisein aller Kompanieoffiziere (Stabsarzt Dr. Frenz, Stabsarzt Dr. Witte, Stabsarzt Dr. Bertram, Assistenzarzt Dr. Jürgens, Assistenzarzt Dr. Laarmann, Unterarzt Strausberg) was folgt: Sie seien am Sonntag, den 8 Okt. gegen 9.30 Uhr etwa 150 Wehrmachtskameraden auf dem Judenfriedhof in Schwetz Augenzeugen der standrechtlichen Erschiessung von etwa 20-30 Polen gewesen. Die Exekution sei ausgeführt worden von einer Abteilung, bestehend aus einem Angehörigen der Schutzstaffel, zwei Männern in alter blauer Schupouniform und einem Mann in Zivilkleidern. Die Aufsicht habe ein Sturmbannführer der Schutzstaffel geführt. Es seien bei der Exekution auch 5-6 Kinder im Alter von etwa 2-8 Jahren erschossen worden. Die Obengenannten sind bereit, ihre Aussagen zu beeiden, gez. Dr. Möller, Oberstabsarzt der Reserve und Kompanieführer[3]

Einen genauen Eindruck von diesem Massenmord vermittelt die Schilderung des in der Meldung genannten Gefreiten Kluge:

Am Samstag den 7.10.1939 hörte ich bei einem Rundgang durch die Stadt bei Gesprächen unter Kameraden, daß am Vormittag auf dem Judenfriedhof in Schw. eine größere Zahl Polen erschossen worden seien; und daß am Sonntagmorgen nochmals eine Erschießung stattfinden sollte. Das Gespräch über die bevorstehende Erschießung war unter den in Schw. untergebrachten Soldaten allgemein. Infolgedessen begab ich mich am Sonntagmorgen mit dem größten Teil meiner Kameraden zum Judenfriedhof, wo wir bis 9 Uhr erstmals vergebens warteten. Wir wollten uns schon wieder in unsere Quartiere begeben, als ein größerer Autobus, beladen mit Frauen und Kindern, zum Friedhof hineinfuhr. Wir gingen nun wieder zum Friedhof zurück. Wir sahen dann, wie eine Gruppe von einer Frau und drei Kindern, die Kinder im Alter von etwa drei bis acht Jahren, von dem Omnibus zu einem ausgeschaufelten Grab von 8 m Breite und 8 m Länge hingeführt wurden. Die Frau mußte in dieses Grab hinabsteigen und nahm dabei ihr jüngstes Kind auf dem Arm mit. Die beiden anderen Kinder wurden ihr von zwei Männern des Ex. Kdos. gereicht. Die Frau mußte sich bäuchlings, d.h. mit dem Gesicht zur Erde, flach ins Grab legen, ihre drei Kinder zur Linken in derselben Weise angereiht. – Danach stiegen vier Mann ebenfalls in das Grab, legten ihre Gewehre so an, daß die Mündungen etwa 30 cm vom Genick entfernt waren, und erschossen auf diese Weise die Frau mit ihren drei Kindern. Ich wurde dann aufgefordert v. d. aufs. führenden St. Bannf., mit zuschaufeln zu helfen. Ich kam diesem Befehl nach und konnte daher aus nächster Nähe jedes Mal sehen, wie die nächsten Gruppen Frauen und Kinder in derselben Weise erschossen wurden. Im ganzen 9-10 Frauen und Kinder, jedesmal zu vieren in demselben Massengrab. Der Erschießung sahen in einer Entfernung von ca. 30 m etwa 200 Soldaten der Wehrmacht zu. Etwas später kam ein zweiter Omnibus mit Männern auf den Friedhof gefahren, darunter befand sich noch eine Frau. Diese Männer mußten in das Grab, in dem die frischen Leichen nur notdürftig mit Sand zugestreut lagen, steigen, sich bäuchlings der Länge nach hinlegen, wo sie dann von den vier Männern des Kds. durch Genickschuß erledigt wurden. Im ganzen wurden an diesem Morgen etwa 28 Frauen, 25 Männer und 10 Kinder im Alter von 3-8 Jahren erschossen.[4]

Die Exekutionen werden der SS unter Befehl der Sturmbannführer Meier und Tietzmann zugeschrieben[5]. Am 7. Oktober, den der Gefreite Kluge zu Beginn seiner Schilderung erwähnt, waren über 20 jüdische Personen, die zuvor im Gefängnis beim Gericht festgehalten worden waren, von SS- und SA-Angehörigen durch die Straßen der Altstadt zum jüdischen Friedhof getrieben worden, der sich an der ul. Polna befand. Nachdem die Gefangenen gezwungen worden waren, ihr eigenes, zweieinhalb Meter breites und zwei Meter tiefes, Grab mit einer Länge von 17 Metern auszuheben, mussten sich jeweils vier Personen in das Grab hineinlegen und wurden erschossen. An dieser Hinrichtung, die von Soldaten der Wehrmacht beobachtet wurde, nahm neben den Deutschen in SS- und SA-Uniformen auf Anordnung eines SS-Offiziers auch ein Wehrmachtsangehöriger teil. Der Soldat Fritz Brauner bestätigte am 9. Februar 1946 in seiner Aussage vor einem Gericht in Recklinghausen, dass er dabei vier Menschen tötete. Die übrigen Soldaten weigerten sich, an der Exekution teilzunehmen, teilweise sollen sie offen ihre Empörung geäußert haben[6].

Angesichts der Erschießung der Kinder war der verbrecherische Charakter der Tat mehr als offensichtlich. Das Propagandagetöse, mit dem in den besetzten Gebieten Polens kaltblütige Morde an der einheimischen Bevölkerung oftmals als gerechte Bestrafung für vermeintliche Gewaltakte gegenüber Deutschen dargestellt wurden, musste spätestens an diesem Tag bei den zuschauenden Wehrmachtssoldaten in Schwetz im Nichts verhallen. Zu mehr als einem Protestschreiben, nachdem man sich das sonntägliche Schauspiel unter aktiver Teilnahme eines Kameraden hatte bieten lassen, waren die Soldaten dieser Einheit jedoch nicht bereit.

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Quellen:
[1] Wojciechowski, Mieczysław: Świecie w latach 1939-1945 (Schwetz in den Jahren 1939-1945), in: Miasta Pomorza Nadwiślańskiego i Kujaw w okresie I wojny światowej oraz w międzywojennym dwudziestoleciu (1914-1939). Zbiór studiów. Wydawnictwo Uniwersytetu Mikołaja Kopernika, Toruń 2000, S. 148 f.
[2] Wojciechowski, Świecie w latach 1920-1939, S. 188 f.
[3] Dieses Dokument wird mit Erläuterungen wiedergegeben in Bojarksa, Barbara: Zbrodnie niemieckie na terenie powiatu Świecie nad Wisłą (Deutsche Verbrechen auf dem Gebiet des Kreises Schwetz an der Weichsel), in: Przegląd Zachodni, Band 21 (1965); S. 96-118, S. 109
[4] Die Aussage Kluges wird im Wortlaut dargestellt in Madajczyk, Czesław: Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939-1945, Pahl-Rugenstein Verlag; Köln 1988, S. 15 f; Die Meldung der 3. Kompanie des Armeekrankentransports 581 lag dem Oberkommando des Heeres am 11. Oktober 1939 vor.
[5] Madajczyk, S. 15
[6] Bojarksa, Zbrodnie niemieckie …, S. 108 f

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 26.11.2004]

Franciszek, Maksymilian und Leon Raszeja

Franciszek Raszeja wurde am 2. April 1896 in Culm (Chełmno) in dem direkt neben dem Postamt gelegenen Haus am Markt geboren (heute ul. Rynek 14). Seine Eltern waren Ignacy Raszeja und Julianna, geb. Cichoń[1]. Ignacy Raszeja war als Oberpostschaffner tätig[2].

Franciszek Raszeja und Kurt Schumacher 1912Franciszek Raszeja besuchte in seiner Heimatstadt die Schule. Seit April 1906 ging er auf das Königlich Katholische Gymnasium, wo er im Frühjahr 1912 mit dem nicht viel älteren Kurt Schumacher Freundschaft schloss[3]. Man spielte zusammen Fußball und ging zum Schwimmen an die Weichsel. Die freundschaftliche Verbindung zwischen dem aus einer polnisch-katholischen Familie stammenden Raszeja und dem in einem deutsch-protestantischen Elternhaus aufgewachsenen Schumacher muss eng gewesen sein, denn Raszeja berichtete seinem Freund nicht nur von der Tätigkeit der geheimen polnischen Schülerverbindung, Gesellschaft der Philomaten (poln. Towarzystwo Filomatów) genannt, der er seit 1911 angehörte, sondern nahm ihn auch zu Treffen der Philomaten mit[4]. Diese Organisation hatte sich das Ziel gesetzt, die polnische Sprache und Kultur zu pflegen, und wurde von den preußischen Behörden regelrecht bekämpft. Seit 1899 war es auf dem Gelände des Culmer Gymnasiums verboten, die polnische Sprache zu benutzen, wobei die Schüler an dieses Verbot jedes Jahr ausdrücklich erinnert wurden. Auch durfte die polnische Schülerbibliothek nicht mehr benutzt werden.Abiturienten in Chełmno 1914 Im September 1901 kam es in Thorn (Toruń) zum sog. Geheimbundprozess, in dem sich 60 junge Polen, davon 37 Schüler und Absolventen des Culmer Gymnasiums, wegen der Zugehörigkeit zu dieser “preußenfeindlichen Verbindung” verantworten mussten[5]. Der als Zeuge vernommene Direktor des Culmer Gymnasiums Friedrich Preuß betonte, dass bereits allein die Pflege der polnischen Sprache und Literatur im Rahmen dieser Geheimorganisation, unabhängig von der Frage, ob diese politische Ziele verfolgt, zu einem Verweis von der Schule geführt hätte[6]. Das Gericht sprach 15 Angeklagte frei, 10 erhielten einen Verweis, verurteilte aber die übrigen zu Geld- und kurzzeitigen Gefängnisstrafen. Die preußische Schulverwaltung entschloss sich kurz nach dem Prozess, die sog. Geheimbündler der Schule zu verweisen und ihnen auch den Besuch anderer höherer Schulen in Preußen zu verweigern[7]. Eine Aufdeckung der Zugehörigkeit Raszejas zum 1903 reaktivierten Geheimbund oder der Verbindung Schumachers zu dieser Vereinigung hätte also mit Sicherheit Konsequenzen für ihre persönliche Zukunft gehabt. Auch Schumachers Familie – sein Vater stand als Kaufmann und Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung gesellschaftlich in einer sehr exponierten Position, seine Schwester Hedwig war Lehrerin in Culm, seine anderen Schwestern waren mit im preußischen Schuldienst stehenden Lehrern verheiratet – hätte Nachteile erleiden können, wären die Sympathien des späteren SPD-Politikers für die polnische Geheimbewegung bekannt geworden.

Elternhaus Raszeja am Markt in Chełmno1914 wurde Raszeja zum Militärdienst eingezogen und diente in der preußischen Armee an der Ostfront. Er geriet in russische Gefangenschaft und konnte erst 1918 nach vierjährigem Aufenthalt in Taschkent (heute Usbekistan) fliehen und über Finnland und Schweden in seine Heimat zurückkehren[8]. Am 31. Mai 1918 nahm Raszeja ein Philologiestudium in Berlin auf, wechselte am 10. Oktober 1918 jedoch an die medizinische Fakultät[9]. Im Februar 1919 setzte er sein Studium in Münster fort. Hier traf er sich mit Kurt Schumacher, der sich zu dieser Zeit ebenfalls in Münster aufhielt. Raszeja verließ die Stadt aber bereits im Juli 1920, um nach Polen zurückzukehren[10]. 1920 nahm er als Sanitäter am polnisch-sowjetischen Krieg teil[11].

Nach seinem weiteren Medizinstudium in Krakau (Kraków) sowie Posen (Poznań) und seiner Promotion im Jahr 1923[12] war er in der Universitätsklinik Posen tätig. 1931 habilitierte er sich und wurde Direktor des orthopädischen Krankenhauses in Swarzędz bei Posen[13]. Gleichzeitig leitete er eine orthopädische Poliklinik in Posen[14]. Raszeja erreichte 1935 die Wiedereröffnung dAdressbuch Poznaż 1930es Orthopädiekrankenhauses der Posener Universität und übernahm seine Leitung[15]. Ein Jahr später wurde er zum Professor für Orthopädie ernannt[16]. Raszeja ist Verfasser von rund 50 wissenschaftlichen Arbeiten[17]. 1937 protestierte er mit zehn anderen Wissenschaftlern gegen die Beschränkung der Zahl jüdischer Studenten (numerus clausus) und wehrte sich auch gegen die Einrichtung gesonderter Sitzplätze für Juden in den Hörsälen[18].

Im September 1939 flüchtete Raszeja mit dem Personal des Armeekrankenhauses Lodsch (Łódź), in das er zu Kriegsbeginn einberufen worden war, vor der nahenden Front nach Osten und kam in die Stadt Kowel[19], die damals zu Polen gehörte und heute 65 km von der polnischen Grenze entfernt im Nordwesten der Ukraine liegt. Hier wurde er Kommandant des Armeekrankenhauses[20]. Als die Sowjetunion infolge des Hitler-Stalin-Pakts ab dem 17. September die ostpolnischen Gebiete besetzte und Raszeja gewarnt wurde, dass der sowjetische NKWD seine Verhaftung plant, floh er nach Warschau[21]. Hier wurde er im Dezember 1939 Oberarzt der orthopädischen Abteilung des Krankenhauses des Polnischen Roten Kreuzes an der ul. Smolna 6[22]. Er unterrichtete im Untergrund Studenten der Geheimen Warschauer Universität. Die Veranstaltungen fanden im Krankenhaus statt, in dem er arbeitete[23]. Die Einrichtung des Warschauer Ghettos führte dazu, dass sein enger Mitarbeiter Dr. Kazimierz Polak mit seiner jüdischen Ehefrau ins Ghetto umziehen musste[24]. Raszeja nahm Verbindung mit dem sich im Ghetto aufhaltenden Professor Ludwik Hirszfeld auf, leistete vielen Ghettobewohnern ärztliche Hilfe und organisierte einen Blutspendedienst für die jüdische Bevölkerung[25]. Außerdem schmuggelte Raszeja Impfstoffe, Medikamente und Lebensmittel ins durch eine hohe Mauer von den umgebenden Stadtteilen abgegrenzte und vom Terror gezeichnete Ghetto, in dem durch die von den deutschen Besatzern bewusst in Kauf genommenen extremen Lebensbedingungen die Sterblichkeit sehr hoch war; er half auch Juden, aus dem Ghetto zu fliehen[26]. Am 21. Juli 1942 begab sich Professor Raszeja, obwohl ihm bei der Ausgabe des Passierscheins angedeutet wurde, dass es sich um einen “gefährlichen Tag” handele[27], ins Ghetto, um einen schwer kranken Patienten, den Antiquar Abe Gutmajer[28], im Haus an der ul. Chłodna 26 zu behandeln[29]. Er wurde dort mit dem Patienten und dessen Familie, seinem ehemaligen Assistenten Dr. Kazimierz Polak und einer Krankenschwester von SS-Männern erschossen[30]. Franciszek Raszeja hinterließ seine Frau und zwei Töchter[31].

Die Nachricht von dieser Tat muss sich im Ghetto rasch verbreitet haben, denn sowohl Stanisław Gombiński (Moje wspomnienia), Henryk Makower (Pamiętnik z getta warszawskiego, październik 1940 – styczeń 1943) und auch Ludwik Hirszfeld (“Dzieje jednego życia”) berichten in ihren Erinnerungen aus dem Warschauer Ghetto von diesem Mord[32]. Für die sicherlich größte Bekanntmachung sorgte jedoch Władysław Szpilman, der in seinem 1946 verfassten Buch “Śmierć miasta” (“Tod einer Stadt”, dt. Ausgabe 1998 unter dem Titel “Das wunderbare Überleben – Warschauer Erinnerungen 1939-1945) Raszeja erwähnt. Auch Roman Polanski erinnert in seinem preisgekrönten Film “Der Pianist” aus dem Jahr 2001, der auf Szpilmans Autobiographie beruht, an Raszeja. Władysław Szpilman schrieb in seinem Buch: “An diesem Tag kam es am Nachmittag zu einem Vorfall, der Warschau auf beiden Seiten der Mauer erschütterte; der bekannte polnische Chirurg, ein Meister seines Fachs, Doktor Raszeja, Professor der Posener Universität, wurde ins Ghetto gebeten, um eine schwierige Operation durchzuführen. Wie in solchen Fällen üblich, erhielt er am Eingang der Kommandantur der deutschen Polizei einen Passierschein, aber als er schon vor Ort war und mit dem Eingriff begann, drangen SS-Männer in die Wohnung und erschossen den in Narkose auf dem Operationstisch liegenden Patienten, anschließend den Chirurgen und schließlich alle sich im Haus aufhaltenden Bewohner.”[33]

Im Februar 2001 wurde Franciszek Raszeja für seinen Einsatz für die jüdische Bevölkerung von der israelischen Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust Yad Vashem in Jerusalem posthum der Titel “Gerechter unter den Völkern” verliehen[34].

Maksymilian Raszeja
Franciszek Raszejas älterer Bruder Maksymilian wurde am 10. März 1889 geboren und besuchte das Gymnasium im seinerzeit preußischen Culm, an dem er 1907 das Abitur ablegte[35]. Nach dem Abitur besuchte er ab 1907 das Priesterseminar in Peplin, wo er 1912 zum Priester geweiht wurde. Nach einem Theologiestudium in Freiburg im Breisgau erwarb er dort 1915 den Titel eines Doktors der Theologie. Während des Ersten Weltkriegs diente Raszeja als Militärgeistlicher in der preußischen Armee. Nach dem Krieg war er Pfarrer in Śliwice bei Tuchola (dt. Tuchel), bis er 1926 zum Professor am Pepliner Priesterseminar berufen wurde. 1928 wurde er Kanoniker. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Raszeja am 12. September 1939 verhaftet. Man versuchte, ihn durch Misshandlungen zur Preisgabe des Verstecks der Pepliner Gutenbergbibel, anderer wertvoller Kunstwerke und Archivbestände zu bewegen. Zusammen mit anderen Priestern wurde Maksymilian Raszeja am 20. Oktober 1939 in Tczew (dt. Dirschau) erschossen.[36]

Leon Raszeja
Leon Raszeja wurde am 26. Juni 1901 geboren und studierte nach der 1921 am Culmer Gymnasium bestandenen Reifeprüfung[37] Rechtswissenschaften an den Universitäten in Kraków (Krakau) und Poznań (Posen). Nach seinem Abschluss 1926 war er zehn Jahre lang als Richter in Chojnice (Konitz), Czersk (Marienwalde), Tuchola (Tuchel) und Grudziądz (Graudenz) tätig. Am 10. Juni 1936 wurde er zum Stadtpräsidenten von Toruń (Thorn) gewählt und trat sein Amt am 8. August desselben Jahres an. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen wird die Stadtverwaltung von Toruń in den ersten Septembertagen 1939 nach Lublin verlagert. Hier kommt Leon Raszeja am 9. September 1939 bei einem Bombenangriff ums Leben.[38]

Gedenktafel Raszeja[1] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”, in: “Czas Chełmna” 02.04.2004, S. 8
[2] Schober, Volker, Der junge Kurt Schumacher 1895 – 1933, Bonn 2000, S. 65 [Das Buch ist erhältlich beim Verlag J.H.W. Dietz Nachf. Bonn]
[3] Schober, S. 65
[4] Schober, S. 66
[5] Schober, S. 56 ff
[6] Schober, S. 59
[7] Schober, S. 61
[8] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”, in: Trybuna 155 (4055), Magazyn 27 (83), 05.07.2003, S. 11, online unter URL:
http://forum-znak.org.pl/index.php?t=przeglad&id=1889 (22.12.2004)
[9] Schober, S. 123
[10] Schober, S. 123 f
[11] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”
[12] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”
[13] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942), in: “Z Życia Akademii Medycznej w Warszawie”, April 2000 – Nummer 4 (95), online unter URL:
http://www.bibl.amwaw.edu.pl/pismo/4-00.htm (22.12.2004)
[14] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”
[15] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”
[16] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”
[17] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”
[18] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”
[19] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”
[20] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”
[21] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”
[22] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”, Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”
[23] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”
[24] Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”
[25] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”, Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”
[26] vgl. Jurkowiak, Adam, “Prof. Raszeja – zapomniany Sprawiedliwy”
[27] Kocon, Tadeusz, “Profesor Franciszek Raszeja (1896-1942)”
[28] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”
[29] Durkalec, Jerzy, “Zginął pomagając pacjentowi”, in: “Głos Wielkopolski” 30.04.2003, online unter URL:
http://www.glos.com/index.php?arch=1&d=03-04-30&∓k=glosemcz&f=07-03 (27.12.2004)
[30] Durkalec, Jerzy, “Zginął pomagając pacjentowi”
[31] Schober, S. 124
[32] vgl. Eintrag in der Datenbank über das Warschauer Ghetto, online unter URL:
http://warszawa.getto.pl/pl/site/wyszukiwanie_db (22.12.2004)
[33] Szpilman, Władysław, Pianista. Warszawskie wspomnienia 1939-1945, Kraków 2002
[34] vgl. Notiz “Sprawiedliwi wśród narodów świata” in der Tageszeitung “Życie” vom 26.02.2001, online unter URL:
http://www.zycie.com.pl/archiwum/tekst.php?id_tekst=7250 (27.12.2004)
[35] Rafiński, Stefan, “Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie”, Bydgoszcz 2002, S. 111
[36] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”
[37] Rafiński, Stefan, “Z dziejów Gimnazjum i Liceum Ogólnokształcącego w Chełmnie”, Bydgoszcz 2002, S. 112
[38] Grzeszna-Kozikowska, Anna, “Bracia Raszejowie”; Informationen über Leon Raszeja auf der Homepage der Stadtverwaltung Toruń, online unter URL:
http://www.um.torun.pl/torun/miasto/Raszeja.php (27.12.2004)
[B1] Reproduktion aus Schober, S. 66

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: Januar 2005]


Deutsche Besatzung in Chełmno nad Wisłą – empfohlene Beiträge:


NS-Zeit in Chełmno 1944/45 – Erinnerungen von Eugeniusz Stefaniak

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 14.09.2009]

Nachdem ich im November 2008 den ersten Teil der interessanten Kindheitserinnerungen von Oberst Eugeniusz Stefaniak über die deutsche Besatzung seiner Heimatstadt zusammengefasst und veröffentlich hatte, bot sich mehrmals die Gelegenheit, mit Herrn Stefaniak zu telefonieren. Heute möchte ich mein ihm gegebenes und längst überfälliges Versprechen einlösen und auch seine wichtigsten Erlebnisse während der letzten Kriegsmonate (ab Seite 67 seines Buchs „Byłem oficerem politycznym LWP“) Lesern, die kein Polnisch können, zugänglich machen.

Im August 1944 musste, nachdem die Front immer näher gerückt war, jeder Betrieb in Chełmno ein bis zwei Mitarbeiter für die Anlage von Verteidigungsanlagen abstellen. Nach Erinnerung Stefaniaks wurde eine größere Gruppe von Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren nach Zajączkowo gebracht. Der Autor gibt die Lage dieser Ortschaft mit „bei Toruń“ an, aber wahrscheinlich handelt es sich um das doch ein gutes Stück von dieser Großstadt entfernte und rund 35 km südöstlich von Chełmno liegende Zajączkowo in der Gemeinde Chełmża. Die rund 200 Personen übernachteten in einer Scheune, wurden mit Schaufel oder Spitzhacke ausgestattet und dazu gezwungen, 12 Stunden täglich Schützen- und Panzergräben auszuheben.

Die Zwangsarbeiter waren in drei sog. Kommandos eingeteilt, zwei polnische und ein jüdisches, das von jungen Jüdinnen aus Ungarn gebildet wurde. Während der Arbeiten auf den Feldern wurden die polnischen Arbeiter von Wehrmachtssoldaten beaufsichtigt, in ihrer Unterkunft hingegen von einer HJ-Gruppe aus Danzig, die der Autor als sehr aggressiv bezeichnet und die die Polen vor und nach dem langen Arbeitstag schikanierte. Die jüdischen Zwangsarbeiterinnen hingegen wurde von einer Einheit der „SS Galizien“ bewacht, deren Angehörige sich durch brutales Verhalten auszeichneten.

Zwei Ereignisse aus dieser Zeit sind Stefaniak besonders im Gedächtnis haften geblieben. Beim Anblick eines großen Verbands alliierter Flugzeuge, der Zajączkowo in erheblicher Höhe überflog, brach unter den Zwangsarbeitern spontaner Jubel aus, der von den Wehrmachtssoldaten mit Schüssen in die Luft sofort unterbunden wurde. Für die Jugendlichen, die mit dem Ausheben der Gräben befasst war, war dies neben den mittlerweile zu ihnen durchgedrungenen Nachrichten über den Ausbruch des Warschauer Aufstands ein Signal, die Hoffnung nicht aufzugeben und durchzuhalten.

Das zweite Ereignis datiert der Autor auf seinen 16. Geburtstag, also den 8. September 1944. Die polnischen Zwangsarbeiter warteten neben der Scheune, in der sie untergebracht waren, vor einer Feldküche auf die Essensausgabe oder nahmen bereits ihre Mahlzeit ein, als sich eine aus Jüdinnen bestehende Kolonne unter SS-Bewachung näherte. Stefaniak bemerkte kurz geschnittene Haare, staubüberzogene Kleidung und Gesichter sowie deutliche Anzeichen von allgemeiner Schwäche und Erkrankungen bei den Frauen. Unter Schlägen, Beschimpfungen und dem Bellen der die SS-Soldaten begleitenden Schäferhunde wurden sie vorangetrieben. Als einige Jüdinnen an Stefaniak, der seine Essensration bereits empfangen hatte, vorbeikamen und um Essen baten, sprang dieser vor und legte einer Frau einige Kartoffeln in die Hand. Seine Hilfe musste er zunächst mit einer Reihe von Schlägen, die ihm ein herannahender SS-Mann verabreichte, büßen. Sodann tauchte der HJ-Lagerführer auf und verpasste ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Es folgten weitere Schläge, Tritte und Beschimpfungen. Stefaniak verlor das Bewusstsein und erwachte erst wieder in einem unterirdischen Eiskeller, in dem er zur Strafe mehrere Tage verbringen musste. Durch die Kälte erkrankte er, bekam Fieber und Geschwüre und wurde schließlich seiner Mutter und Schwester überlassen, die ihn um den 17. September nach Chełmno brachten. Andere Zwangsarbeiter wurden noch bis zum November 1944 festgehalten, um Gräben zu bauen, die letztendlich ihren militärischen Zweck überhaupt nicht erfüllten.

Da sein bisheriger Arbeitgeber Wincenty Szalwicki wegen der Erkrankung nicht mehr an seiner Beschäftigung interessiert war, wurde Stefaniak entlassen und erhielt sodann die Anweisung, ab dem 1. Oktober 1944 in der Autowerkstatt des Postamts in Chełmno zu arbeiten. Diese Tätigkeit übte er bis zur Einnahme der Stadt durch die Rote Armee im Januar 1945 aus.

Stefaniak erinnert sich daran, dass mit näher rückendem Kriegsende der Gebrauch der polnischen Sprache in der Öffentlichkeit immer seltener auf Repressionen stieß. Bisher war es üblich, dass ihn Polizisten oder Volksdeutsche schlugen, wenn er auf der Straße Polnisch gesprochen hatte.

Der letzte Kriegswinter war für die Familie Stefaniak noch einmal sehr hart. Dem Autor in Erinnerung geblieben sind das ständig zugefrorene Fenster der winzigen Wohnung, der ständige Hunger, aber auch ein gestärkter familiärer Zusammenhalt und gewisser Optimismus angesichts der zunehmenden militärischen Niederlagen der deutschen Besatzungsmacht.

Der damals 16-jährige Stefaniak verfolgte mit Freude das Einrücken der Roten Armee in Chełmno. Der Marktplatz in der Altstadt wurde als Standplatz für Panzer und andere Fahrzeuge genutzt. Die Stadt war voller Soldaten. Überall vernahm man russische Rufe. Lagerfeuer sorgten in diesem außerordentlich strengen Winter für ein wenig Wärme. In den Straßen sah man rot-weiße Fahnen, amtliche Bekanntmachungen in polnischer Sprache. Stefaniak sah zum ersten Mal in seinem Leben Portraits von Stalin. Neben sowjetischen Soldaten patrouillierten auch polnische Polizisten durch die Stadt.

Trotz der relativen Stabilität lag Chełmno noch immer im Frontgebiet. Stefaniak vermutet, dass die Rote Armee wahrscheinlich deshalb im Februar bei scharfem Frost hartgefrorene Leichen sowjetischer Soldaten in einer kleinen Grünanlage an der ul. Parkowa und ul. Grudziadzka in großer Eile bestattete.

Nach der Erinnerung des Autors wurde Anfang Februar 1945 der 1913 geborene Józef Trębicki, der vor dem Krieg Mitinhaber eines Weidenruten verarbeitenden Betriebs in Chełmno gewesen war, zum Bürgermeister ernannt. Er amtierte im historischen Rathaus auf dem Markt. Eugeniusz Stefaniak wurde in seinem Büro als für ehemaliges deutsches Vermögen zuständiger Referent eingestellt. Ihm unterstand ein großes Lager an der ul. Biskupia, in das Möbel aus von Deutschen verlassenen Wohnungen gebracht wurden. Dort wurden sie auf Anweisung des Bürgermeisters konkreten Einwohnern zugeteilt. Stefaniak gehörte trotz seines jungen Alters auch der Freiwilligen Bürgermiliz (Ochotnicza Milicja Obywatelska) an. Stefaniaks Mutter hielt ihn davon ab, die bis 1939 von der Familie besessene Wohnung wieder in Beschlag zu nehmen, was ihm wegen seiner Position sicher möglich gewesen wäre. Stattdessen ließ er sich vom Bürgermeister eine freie Zweizimmerwohnung mit Küche an der ul. Świętego Ducha zuweisen. Seine Familie zog dort Ende Februar oder Anfang März ein.

Obwohl die Stadt Chełmno am 27. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen wurde, bedeutete dieser Tag noch kein Ende der Kampfhandlungen. Stefaniak beschreibt nämlich eine Begebenheit, an der er persönlich als Angehöriger der Freiwilligen Bürgermiliz beteiligt war: Mitte Februar versuchten Gruppen versprengter Wehrmachtssoldaten aus dem Raum Toruń, bei Chełmno über die Weichsel zu setzen und sich weiter zur noch von den Deutschen kontrollierten Ostseeküste bei Danzig (Gdańsk) durchzuschlagen. Eine Sowjetoffizierin im Rang eines Hauptmanns, die das südlich der Altstadt von Chełmno gelegene und mit verletzten Rotarmisten voll belegte Krankenhaus leitete, organisierte die Verteidigungsmaßnahmen. Stefaniak nahm in der Nähe des Krankenhauses und an der ul. Toruńska an dem vierstündigen Feuergefecht mit den deutschen Soldaten teil, die schließlich abgewehrt wurden und sich einen Weg zur Weichsel abseits der Stadt suchen mussten. Der Autor beobachtete, wie kleine und größere Wehrmachtseinheiten versuchten, südlich von Chełmno die zugefrorene Weichsel in Richtung Gruczno zu überqueren. Die sowjetische Artillerie beschoss stundenlang die deutschen Soldaten vom hoch über dem Weichseltal gelegenen Kasernengelände in Chełmno aus und zwang diese zu einer verzweifelten Flucht. Auch in den nächsten Tagen wurden noch Gruppen deutscher Soldaten aufgegriffen, die aus dem belagerten Grudziądz entkommen waren.

Das Verhältnis zu den neuen sowjetischen Machthabern gestaltete sich schwierig. Durch die Germanisierungspolitik waren viele polnische Einwohner „eingedeutscht“ und mit entsprechenden Ausweisen ausgestattet worden. Außerdem hatten viele Männer in der deutschen Wehrmacht gedient.

Sie wussten nicht, wie sie uns erkennen sollten: Wer ist Pole und wer ist Deutscher? Wen haben sie befreit und wen besiegt? (…) Diese Frage war wesentlich, weil die deutsche Bevölkerung keinerlei rechtlichen Schutz genoss. Es mussten Wochen vergehen, bevor diese komplizierten Verhältnisse und die Wahrheit über die Besatzungszeit auch das Bewusstsein nicht nur der Kommandantur der sowjetischen Armee, sondern auch der neuen polnischen Behörden erreichten.

Während Stefaniak die ersten Einheiten der Roten Armee, die an der Front gekämpft und die Stadt befreit hatten, positiv in Erinnerung behalten hat, genossen die nachrückenden Soldaten wegen vieler Raube und Vergewaltigungen einen schlechten Ruf. Es kam nun auch zu Verhaftungen von Deutschen sowie von Personen, die als Kollaborateure galten. Später wurden Razzien durchgeführt und Männer, wohl unabhängig von ihrer Nationalität, verpflichtet, beim Bau einer Holzbrücke über die Weichsel mitzuhelfen, der innerhalb von drei Wochen abgeschlossen wurde. Stefaniak erinnert sich, dass dieser Zwangsdienst unterschiedlich bewertet wurde. Manche beklagten diesen als Repressionen, die meisten aber sollen die Meinung vertreten haben, dass unter der Führung der Sowjets innerhalb kurzer Zeit etwas geschaffen worden ist, über das man in der Vorkriegszeit 20 Jahre lang nur debattiert habe. Diesen Symbolcharakter der Brücke als Erfolg des sich nun etablierenden politisch-gesellschaftlichen Systems nicht schmälern konnte auch die Tatsache, dass viele zwangsverpflichtete Männer nicht nach Hause zurückkehrten, sondern in Lager in die UdSSR verschleppt wurden.

Den ersten Teil der Zusammenfassung finden Sie unter dem Titel NS-Zeit in Chełmno – Kindheitserinnerungen von Eugeniusz Stefaniak.