Garnisonslazarett

Ehemaliges Garnisonslazarett in ChełmnoDas ursprünglich als Garnisonslazarett genutzte Gebäude an der Parkstraße (ul. Parkowa) wurde in den Jahren 1906/1907 auf einem 8001 qm großen Grundstück vom Culmer Unternehmen Meseck und Schultze errichtet und der preußischen Armee verpachtet.

Auch nach Wiedererstehung des polnischen Staates diente das prächtige Objekt, das seinerzeit am Stadtrand lag, noch für kurze Zeit der Krankenpflege. Ab 1922 betrieb dann der Nonnenorden der Missionarinnen ein Internat für fast 150 Mädchen aus den polnischen Ostgebieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Wohnheim für auswärtige Schülerinnen und Schüler der Sonderschule genutzt.

Ehemaliges Garnisonslazarett in Chełmno

Quelle: Anna Soborska-Zielińska: Parki i ogrody Chełmna, Chełmno 1999, S. 25 f

Museum des Culmer Landes (Muzeum Ziemi Chełmińskiej)

Sitz des Museums in Chełmno

Rathaus im September 2018

Hinweis auf aktuelle Ausstellung: Ausstellung alter Hochzeitsfotos Februar/März 2021 


Das im historischen Rathaus auf dem Marktplatz untergebrachte Museum des Culmer Landes (Muzeum Ziemi Chełmińskiej) bietet die Möglichkeit, die Geschichte der Stadt Culm an der Weichsel (Chełmno nad Wisłą) und ihres Umlandes näher kennenzulernen.

Bereits in der Zwischenkriegszeit wurden von engagierten Bürgern Anstrengungen unternommen, in Culm ein Museum einzurichten.1933 wurde anlässlich des 700. Jahrestags der Stadtgründung eine umfangreiche Ausstellung organisiert. Weitergehende Pläne konnten jedoch nicht realisiert werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Idee, die Stadtgeschichte dauerhaft und anschaulich zu vermitteln, wieder aufgenommen. Federführend war dabei Mag. Jerzy Kałdowski, der an der Spitze der Initiative stand und später der erste Direktor des Museums wurde. Es gelang, zunächst einen Raum im alten Rathaus für eine Ausstellung zu gewinnen, die mit der Zeit wuchs und im Jahr 1964 den Status eines sog. Museumspunkts erhielt. Bis 1975 verfügte dieser Vorgänger des heutigen Museums über zwei Säle auf der Südseite des ersten Stockwerks.

1975 fiel der Beschluss, das Rathaus ausschließlich für museale Zwecke zu nutzen. Siebenjährige Sanierungsarbeiten in diesem historischen Gebäude erzwangen jedoch die vorläufige Verlegung des Museums in den Pulverturm. Zum 750-jährigen Gründungstag der Stadt erhielt es dann seinen endgültigen Standort im Rathaus. Die offizielle Eröffnung des Museums des Culmer Landes fand am 28. Dezember 1983 statt.

Das Museum sammelt vor allem Gegenstände, die mit dem Stadtgebiet und seiner nächsten Umgebung im Zusammenhang stehen. Neben den Dauerausstellungen “Geschichte Culms” und “Dr. Ludwik Rydygier – ein polnischer Chirurg von Weltruf” können auch regelmäßige Sonderausstellungen besucht werden.

Die Dauerexposition “Geschichte Culms” nimmt fünf Säle im ersten Stockwerk ein. Im ersten Raum werden die Geschichte vor der Stadtgründung 1233, die Verleihung des Gründungsprivilegs und die Entwicklung der Stadt im Mittelalter dargestellt. Einen besonderen Eindruck hinterlassen der Gerichtssaal, in dem man Wandgemälde Jan Roszkowskis aus dem 18. Jahrhundert bewundern kann, die thematisch an biblische Gerichtsszenen anknüpfen, sowie eine mit schönen Intarsien versehene Tür im Rokokostil mit der lateinischen Inschrift “Non Quaerit Quae Sua Sunt”. Zu den Exponaten in diesem Saal gehören die “Kriminalistische Praktik” von Jakub Czechowicz, die im Jahre 1769 in Culm herausgegeben wurde, sowie zwei Danziger Editionen der Revision des Culmer Rechts aus dem 18. Jahrhundert.

In einem weiteren Saal ist die Geschichte des Culmer Schulwesens dargestellt, wobei besonders auf die einstige Culmer Akademie (1386-1818) eingegangen wird. Sie war eine bedeutende Bildungseinrichtung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Nikolaus Kopernikus einer ihrer Schüler war.

Ihre Tradition übernahm das im Jahre 1837 gegründete Culmer Gymnasium, das als Teil des Schulzentrums Nr. 1 noch heute besteht. Auch die Geschichte dieser Schule wird näher dargestellt. Ihre ersten Direktoren waren Karl Richter und Wojciech Łożyński. Zu ihren Abiturienten gehörten Kurt Schumacher sowie die Brüder Franciszek, Maksymilian und Leon Raszeja.

Im einstigen Sommersaal befindet sich eine herrlich bemalte Balkendecke aus dem 17. Jahrhundert. Hier ist eine Sammlung untergebracht, die an das Culmer Druckerhandwerk, örtliche Verleger (Józef Chociszewski, Józef Gółkowski, Ignacy Danielewski, Walenty Fiałek) sowie die in der Stadt tätigen Zünfte und Vereine erinnert.

Die beiden letzten Ausstellungssäle befassen sich mit der geschichtlichen Zäsur der Jahre 1920-1945. Die Exponate aus den Zwischenkriegsjahren spiegeln in besonderer Weise die Zeit wieder, in der Polen seine Unabhängigkeit wieder erlangte, und illustrieren die Tätigkeit verschiedener Vereine sowie der in Culm stationierten Armeeeinheiten. Beschrieben wird natürlich auch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs.

Im zweiten Stockwerk des Rathauses kann man den Bürgersaal mit herrlichen Stuckarbeiten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und Keramikbüsten bewundern. Betrachten kann man Portraits verdienter Culmer Bürger, unter anderem von Walenty Fiałek (1852-1932), einem Verleger polnischer Bücher, sowie des berühmten Chirurgen Dr. Ludwik Rydygier (1850-1920).

Ludwik Rydygier ist eine eigene Ausstellung gewidmet. Unter den gezeigten Exponaten befindet sich eine Rarität, nämlich eine im Jahre 1912 in Lemberg herausgegebene Sammlung aller wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Autogramm des Verfassers, die dem Museum von einem Mitglied der Familie Rydygier überlassen worden ist. Interessant sind auch medizinische Geräte und Instrumente aus der Epoche Rydygiers.

Im Museum werden ebenfalls viele Werke des Malers Antoni Piotrowicz gezeigt.

Das Museum des Culmer Landes organisiert regelmäßig zeitlich begrenzte Ausstellungen, die hauptsächlich regionale Themen betreffen oder Gastausstellungen anderer Institutionen bilden.

Im Eingangsbereich des Rathauses ist die städtische Touristeninformation untergebracht. Außerdem findet man hier die Kasse des Museums mit einer Verkaufsstelle für regionalgeschichtliche Publikationen.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 07.12.2007, ergänzt 05.01.2021]

Cywiński-Haus

Cywiński-Haus am Markt in Chełmno


Das auf den ersten Blick unscheinbare Eckhaus am nördlichen Ende der Ostseite des Markts (Ecke ul. Rycerska) entstand im 13. Jahrhundert, wurde im 14. Jahrhundert erweitert und schließlich 1570 von Melchior Cywiński grundlegend umgebaut. Sehenswert sind zwei kunstvoll im Stil der Renaissance gestaltete Flachreliefs aus Sandstein, die eine Verkündigungsszene sowie die Jesus huldigenden Heiligen Drei Könige darstellen.


Das untere Relief unmittelbar über der Eingangstür zum gegenwärtig von einem Blumengeschäft genutzten Erdgeschoss weist die Inschrift Wer Got vertrauet der hadt wol gebauet mit dem Zusatz Melcher Cziwinski Anno Domini 1570 auf.




Flachrelief oberhalb des mittleren Fensters des ersten Stockwerks an der dem Markt zugewandten Hausseite.

Quellen:

  • Bogusław Mansfeld, Zespół zabytkowy Chełmna, Warszawa 1983, S. 20
  • Marek G. Zieliński, Chełmno – civitas totius Prussiae metropolis XVI-XVIII w., Bydgoszcz 2007, S. 275 f.

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 01.04.2008]

Stadtverwaltung (ehemals Landratsamt)

Stadtverwaltung ChełmnoÖstlich des Graudenzer Tors steht an der ul. Dworcowa (Bahnhofstraße) ein Gebäude, das als Kreishaus konzipiert worden war. 1911 wurde es von der Kreisverwaltung bezogen, die zuvor in der ul. Franciszkańska (Franziskanerstraße) untergebracht war.

Früher gab es an dieser Stelle das Restaurant Martin Seidlers, das vor allem deutschen Vereinen und Organisationen als Veranstaltungsort diente. Heute hat in dem lang gestreckten Komplex, der vor einigen Jahren renoviert worden ist, die Verwaltung der Stadt Chelmno ihren Sitz. Hier tagt auch der Stadtrat.

Links vor dem Gebäude befindet sich das Grab des unbekannten Soldaten. Zu preußischer Zeit war dies der Standort des aus dem Jahr 1890 stammenden Kaiser-Friedrich-Denkmals.

Stadtverwaltung Chełmno
Vor der Stadtverwaltung – 1. Juli 2012

Stadtverwaltung Chełmno

Vorder- und Rückseite der Stadtverwaltung – Ostern 2009

Stadtverwaltung Chełmno

Heilig-Geist-Kirche

Heilig-Geist-Kirche in ChełmnoDie gotische Kirche wurde im späten 13. Jahrhundert gebaut und orientiert sich nach Osten. Sie ist einschiffig und besitzt einen viereckigen Turm an der Westfassade. An der Südseite war an die Kirche einst ein Krankenhaus angebaut, weshalb die Kirche auch Spitalkirche genannt wurde. Das Innere der Kirche ist mit einem hölzernen Fassgewölbe verkleidet. Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert stellen Szenen der Verkündigung, der Heimsuchung, des letzten Abendmahls und das Bildnis der heiligen Maria Magdalena dar.

Das obere Foto zeigt die Westfassade der Kirche von der ul. Toruńska aus, das untere ihre Ostseite (aus Richtung ul. Wałowa).

Weitere Informationen über die Heilig-Geist-Kirche mit weiteren Fotos finden Sie auf der Website moje-chelmno.pl.

Heilig-Geist-Kirche in Chełmno

Culmer Akademie

Culmer Akademie in ChełmnoTrotz entsprechender Bemühungen des Deutschen Ordens kam es nicht zur Gründung einer Universität (Studium Generale) in Culm. Stattdessen entstand 1473 eine Schule mit dem Niveau eines Gymnasiums, “Studium Particulare” genannt, die dem Rang nach die höchste wissenschaftliche Einrichtung im Königlichen Preußen war. Nach zwischenzeitlichen Schwierigkeiten kam es 1692 zur einer Erneuerung des Gymnasiums unter dem offiziellen Namen “Culmer Akademie”. In der Zeit von 1756 bis 1779 war die reaktivierte Culmer Akademie die 31. Abteilung der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1818 wurde die Culmer Akademie endgültig geschlossen. Heute ist in dem Gebäude das Gymnasium Nr. 1 untergebracht.

Standort bei Google-Maps



Hier sieht man die Culmer Akademie von der anderen Seite, nämlich an der Kreuzung von ul. Szkolna und ul. Franciszkańska.

Der seit der Schulreform 1999 in Polen geltende Aufbau des Schulsystems und besonders die Bezeichnungen der einzelnen Schulformen sorgen bei ausländischen Gästen manchmal für Verwirrung, weil ein polnisches Gimnazjum nicht einem deutschen Gymnasium entspricht.

In Polen bezeichnet man gegenwärtig als Gimnazjum eine die Klassenstufen 7 bis 9 umfassende Schule, die sich direkt an die sechsjährige Grundschule anschließt und von allen Schülerinnen und Schülern besucht wird. Danach (ab der 10. Klasse) kann man seine schulische Ausbildung entweder an einer Berufsschule oder einem Lyzeum, das durch die Möglichkeit, das Abitur (Matura) abzulegen, einem Gymnasium in Deutschland ähnelt, fortsetzen. Es gibt aber auch Mischformen von Lyzeum und Berufsschule, die sowohl den Erwerb der Hochschulreife als auch den Abschluss einer Berufsausbildung ermöglichen.

Katyń-Denkmal

Der berühmte Regisseur Andrzej Wajda hat in seinem 2007 produzierten Film Katyń ein Ereignis und seine Nachwirkungen verarbeitet, das sich tief ins Bewusstsein der polnischen Gesellschaft eingebrannt hat.

Katyn-Denkmal in Chełmno Mit einem geheimen Zusatzprotokoll zum später als Hitler-Stalin-Pakt bezeichneten Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 hatten das Dritte Reich und die Sowjetunion ihre Interessensphären in Polen abgesteckt. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 und dem für die polnische Bevölkerung überraschenden Einrücken der Sowjetarmee am 17. September 1939 in Ostpolen wurde diese vierte Teilung Polens durch den sog. deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag am 28. September 1939 besiegelt. Durch das relativ schnelle Vorrücken der deutschen Armeen hatte sich das Kriegsgeschehen ab Mitte September vorwiegend nach Ostpolen verlagert. Dadurch kamen viele polnische Armeeangehörige und Polizeibeamte in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Das Politbüro der KPdSU erließ im Frühjahr 1940 den Befehl, tausende polnische Gefangene durch den sowjetischen Geheimnis NKWD hinrichten zu lassen. Ihre Leichen wurden an verschiedenen Stellen in Massengräbern verscharrt.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und der Besetzung sowjetischer Gebiete entdeckten Wehrmachtsangehörige im Februar 1943 in einem Waldgebiet bei der Ortschaft Katyń nahe Smolensk Massengräber mit Leichen polnischer Offiziere. Die Polnische Exilregierung forderte darauf eine internationale Untersuchung der Funde, wodurch es zu ihrem Bruch mit Moskau kam. Die Nationalsozialisten nutzten das Massaker von Katyń zu gegen die Sowjetunion gerichteten Propagandazwecken und gestatteten einer internationalen Untersuchungskommission, die unter anderem mit Gerichtsmedizinern besetzt war, die Massengräber in Augenschein zu nehmen. Diese kam zum Schluss, dass die Tötungen der polnischen Offiziere im Frühjahr 1940 erfolgt waren.
Nachdem die Rote Armee Ende 1943 die deutschen Truppen zurückgedrängt hatte, führte die Sowjetunion eine erneute, ihrer Propaganda genehme, Untersuchung durch, die einen späteren Todeszeitpunkt (Herbst 1941) feststellte und den Massenmord dem Dritten Reich anlastete.

Die nationalsozialistische Täterschaft war bis zur Wende 1989/90 Gegenstand der offiziellen Geschichtsschreibung in der Sowjetunion und den anderen Ostblockstaaten. Erst 1990 gestand die Sowjetunion ihre Verantwortung ein. Im Oktober 1992 ordnete der russische Präsident Jelzin an, Polen Kopien von noch vorhandenen Dokumenten über das Massaker zu überlassen, die anschließend sowohl in Polen als auch in Russland veröffentlicht worden sind. Bis heute laufen historische Forschungen, weil die Geschehnisse vom Frühjahr 1940 bisher nicht im Detail aufgeklärt werden konnten.

Auch in Polen konnte über die wirklichen Täter der Massenexekutionen in der Nachkriegszeit nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werden. Besonders deshalb ist bis heute das Bedürfnis nach vollständiger Aufklärung der Vorgänge und nach einer Erinnerung an die Opfer besonders groß. So hat das polnische Parlament am 14. November 2007 beschlossen, den 13. April als Gedenktag für die Opfer der Verbrechen von Katyń zu begehen.

Mit Katyń verbindet sich ein weiteres tragisches Ereignis der jüngsten polnischen Geschichte, bei dem 96 Menschen starben. Die Passagiere der am 10. April 2010 beim Landeanflug auf den Militärflugplatz Smolensk-Nord abgestürzten polnischen Regierungsmaschine, unter anderem Staatspräsident Lech Kaczyński, seine Ehefrau Maria, der letzte Staatspräsident der Polnischen Exilregierung Ryszard Kaczorowski, hohe Offiziere sowie Vertreter von Parlament, Regierung, Behörden, Glaubensgemeinschaften und Verbänden, waren anlässlich des 70. Jahrestages des Massakers auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Soldatenfriedhof Katyń.

In Culm (Chełmno) erinnert an die aus der Stadt stammenden Offiziere, die 1940 in der Sowjetunion ermordet worden sind, unter anderem ein am 24. Juni 1995 enthüllter Gedenkstein auf dem Platz vor der Garnisonskirche. Dieser enthält in polnischer Sprache folgende Inschrift:

Den Soldaten der Culmer Garnison, nämlich des 66. Kaschubischen Infanterieregiments und des 8. Kavallerieschützenregiments, die vom NKWD im Jahr 1940 in Katyń und an anderen Hinrichtungsstätten während des Zweiten Weltkriegs ermordet worden sind.

Folgende Offiziere der genannten Regimenter, die in Culm stationiert waren, gehören zu den Opfern von Katyń:

66. Kaschubisches Infanterieregiment
Rafał Sołtan
Jerzy Jeleniewicz
Józef Kordasiewicz
Stanisław Podwiński
Józef Ruszar
Władysław Dworczak
Tadeusz Gąsiorowski
Eugeniusz Rykowski
Jerzy Terlicki
Antoni Boczek
Józef Grzanka
Szczepan Eugeniusz Łuczak
Ludwik Młynarczyk
Józef Wawrzyniak
Edmund Wróblewski
Michał Frank
Izydor Janca
Mieczysław Nierzwicki
Leon Porasiński
Paweł Przytuła

8. Kavallerieschützenregiment
Jerzy Staniszewski
Arkadiusz Dejewski
Julian Janas
Kazimierz Duczko
Ignacy Prądzyński
Tadeusz Sikorski

Offizier der Staatspolizei
Witold Nowakowski

Den Offizieren des 66. Kaschubischen Infanterieregiments wurde darüber hinaus eine am 21. Juni 1998 enthüllte Gedenktafel gewidmet, die sich im Innern der Garnisonskirche befindet.

Wie sehr die verbrecherische Kooperation der totalitären Nachbarmächte Polens Einfluss auf das Schicksal einzelner polnischer Familien hatte, zeigt das tragische Lebensende von Jan Nierzwicki (Vater) und Mieczysław Nierzwicki (Sohn).

Der 1874 geborene Zahnarzt Jan Nierzwicki hatte sich nach seinem Studium in München in Culm niedergelassen und engagierte sich noch zu preußischer Zeit in polnischen Organisationen. Während der Zwischenkriegsjahre setzte er sein umfangreiches gesellschaftliches und politisches Engagement fort. Insbesondere hat er als Heimatforscher mehrere Publikationen veröffentlicht, die unter anderem der Geschichte der Kirchengemeinde und der des örtlichen Gymnasiums gewidmet sind.

Zur örtlichen polnischen Führungsschicht zählend, deren Auslöschung sich die Nationalsozialisten zum Ziel gemacht hatten, wurde er kurze Zeit nach der deutschen Besetzung Polens inhaftiert und am 5. November 1939 in Klamry ermordet.

Familiengrab Nierzwicki in ChełmnoSein 1915 in Culm geborener Sohn Mieczysław, der 1934 am örtlichen Gymnasium seine Abiturprüfung bestanden und als Buchhalter in der Przechowo-Młyny i Tartaki S.A. in Przechowo unweit seiner Heimatstadt gearbeitet hatte, wurde als Reserveoffizier dem 66. Kaschubischen Infanterieregiment zugeteilt und gehört zu den Opfern von Katyń.
An Vater und Sohn erinnern Gedenktafeln am Familiengrab auf dem katholischen Friedhof in Culm.


Quellen:

  • Anna Soborska-Zielińska, Pomnik Katyński, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 186 ff
  • Anna Soborska-Zielińska, Tablica pamiątkowa poświęcona oficerom 66 Kaszubskiego Pułku Piechoty im. Marszałka Józefa Piłsudskiego pomordowanym w 1940 roku przez NKWD w Katyniu i innych miejscach kaźni, in: Chełmińskie pomniki i tablice pamiątkowe, Chełmno 2001, S. 200 ff
  • Stefan Rafiński, Chełmiński Słownik Biograficzny, Chełmno 2006, S. 131

Gnadenkapelle

Gnadenkapelle in ChełmnoEinen Ort von besonderer religiöser Bedeutung bildet in Culm eine Kapelle mit Brunnen, die rund 50 m nördlich des Graudenzer Tors gelegen ist. Die Entstehung der rund zwölf Quadratmeter großen Kapelle ist auf eine bereits im 14. Jahrhundert bekannte Legende zurückzuführen, die hier mit den Worten eines deutschsprachigen Autors aus dem Jahr 1927 wiedergegeben werden soll:

In früheren Jahren soll in Culm ein armer Korbflicker gelebt haben, der außer einer stattlichen Kinderschar nichts sein eigen nannte. Das Unglück wollte es, dass eins seiner Kinder blind geboren wurde. Je mehr es heranwuchs, eine desto größere Plage wurde es für den mittellosen Vater, da das Kind nicht in der Lage war, sein Brot zu verdienen. Um sich nur etwas nützlich zu machen, hütete das Kind die Ziege des Korbflechters, die die ärmliche Familie wenigstens mit etwas Milch versorgte. Täglich zog der blinde Junge mit dem Tier aus und ließ es weiden, wo es wollte. So auch eines Tages am Abhange der Promenade. Der Knabe besaß einen großen Wissensdurst. Aber es war keiner da, der ihn unterrichten konnte. Bittere Tränen hatte er schon wegen seines Gebrechens vergossen, das ihn hinderte, die Welt in ihrer Schönheit zu sehen wie die anderen Kinder. Nur was ihm erreichbar war, konnte er durch Betasten sich wahrnehmbar machen. Da kam er auf den Gedanken, die Erde aufzuwühlen, um zu fühlen, wie sie unter der Oberfläche beschaffen sei. Er grub mit seinen Händen ein Loch und spürte mit einem Male, daß die Erde, die er der Höhlung entnahm, immer feuchter wurde, je tiefer er grub. Plötzlich sprang ein klarer Quell daraus hervor und bespülte seine Hände. Er trank von dem hervorsprudelnden Wasser, das ihn köstlich erfrischend dünkte, und bekam auch Lust, sich darin zu waschen. Kaum hatte er sein Gesicht mit dem Wasser benetzt, da sah er die Sonne leuchten, die Blumen blühen und alle Herrlichkeiten der Natur. Vor ihm stand eine schöne Frau im blauen Mantel, mit einer goldenen Krone auf dem Haar, die zu ihm sagte: “Ich bin die Mutter Gottes. Um die Sünden der Welt hat mein Sohn den Martertod erleiden müssen. Täglich erleidet er die Qualen von neuem, da die Menschen, die er erlösen wollte, ihn täglich verleugnen. Nur wenige tragen Schmerzen und Leid in Demut. Diesen Armen soll geholfen werden, wenn sie reinen, gläubigen Herzens von dem Wasser dieser Quelle trinken und ihre kranken Glieder darin baden. Dies sage den anderen. Aber dem Ort, wo die Wasser der Erde entspringen, sollen sie mein Bild errichten und vor ihm mich vertrauensvoll anrufen, dann will ich für sie bitten. – Aber hütet euch, daß mit dem Wasser Missbrauch getrieben wird, nicht um Geld und irdische Schätze darf es feil sein, sonst wird furchtbare Strafe den Frevler treffen.” Sie erhob die Hand zum Segen und verschwand. Seit der Zeit steht das Bild, und alljährlich im Juli wird das Erscheinen der Gottesmutter im Ablaßfeste gefeiert, zu dem tausend und abertausend Pilger zur Gnadenquelle strömen.

Quelle: Ernst Löns, Hermann Löns’ Jugendzeit, Minden 1927, S. 44/45

Im Dezember 1939 wurde die Kapelle von den Nationalsozialisten zerstört und die Quelle zugeschüttet. Ihr Wiederaufbau erfolgte 1948.

Gnadenkapelle am 28. September 2008:
Gnadenkapelle in Chełmno  Gnadenkapelle in ChełmnoGnadenkapelle in Chełmno

Bildquelle für historische Aufnahme: moje-chelmno.pl, Sammlung P. Wolder; zeitgenössische Fotos: A. Prause

Katholischer Friedhof

Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden Verstorbene in Culm (Chełmno) in oder unmittelbar neben Kirchen beigesetzt. Innerhalb der Stadtmauern gab es unter anderem Friedhöfe an der Franziskanerkirche, der Dominikanerkirche, der Klosterkirche und der Marienkirche. Außerhalb der Wehrmauer erfolgten Bestattungen an der heute nicht mehr vorhandenen Georgskapelle östlich des Graudenzer Tors.

Die preußische Verwaltung strebte, wahrscheinlich um einen besseren Schutz vor Seuchen zu gewährleisten, an, nicht mehr die in der relativ dicht besiedelten Stadt gelegenen Kirchhöfe zu nutzen. Vielmehr sollten außerhalb der Stadtmauer neue Friedhöfe entstehen. Dabei konnte sie sich auf eine eindeutige gesetzliche Regelung berufen, nämlich das im Jahr 1794 erlassene Allgemeine Landrecht für die preußischen Staaten. Dessen elfter Teil mit dem Titel „Von den Rechten und Pflichten der Kirchen und geistlichen Gesellschaften“ bestimmte nämlich im § 184: “In den Kirchen, und in bewohnten Gegenden der Städte, sollen keine Leichen beerdigt werden.”

Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde östlich der heutigen Altstadt, entlang der damaligen Ackerstraße (heute ul. Powstańców Wielkopolskich), ein jüdischer Friedhof angelegt. Bereits 1785 war ganz in der Nähe, nämlich südöstlich des Graudenzer Tors, ein evangelischer Friedhof entstanden.

Katholischer Friedhof in ChełmnoZu dieser Zeit waren jedoch die meisten Menschen in Culm katholischen Glaubens, so dass vor allem für diese Konfession eine Lösung im Sinne der neuen Vorschriften gefunden werden musste. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete am 29. März 1804 an, einen katholischen Friedhof außerhalb der Stadtmauer einzurichten. Daraufhin stellte die Stadt der katholischen Gemeinde einen Geländestreifen entlang der Stadtmauer zwischen Thorner Straße (ul. Toruńska) bis zum Pulverturm zur Verfügung. Die Kosten für die Begradigung der Fläche und die Errichtung einer Umzäunung wurden mit 657 Reichstalern angegeben. Am 13. September 1805 berief Pfarrer Franciszek Weinreich auf Bitten des Magistrats eine Versammlung der Kirchengemeinde ein, um über den zukünftigen Friedhof und die Kostendeckung zu beraten, jedoch blieben konkretere Schritte zunächst aus.Katholischer Friedhof in Chełmno

Infolge der militärischen Niederlage, die das napoleonische Frankreich dem Königreich Preußen zufügte, gehörte Culm ab 1807 bis 1815 zum Herzogtum Warschau, einem napoleonischen Satellitenstaat mit polnischer Administration. Diese richtete am 14. Mai 1809 ein Schreiben an den Magistrat der Stadt und behielt die frühere preußische Anordnung, nämlich Beisetzungen in und an Kirchen in der Stadt einzustellen, bei. Im März 1811 bemühte sich Pfarrer Weinreich bei der Stadt erneut um das anscheinend formell noch nicht übereignete Gelände südwestlich der Stadtmauer in der Nähe der Thorner Straße. Jetzt war er erfolgreich. Der neue Friedhof wurde schließlich 1814 eröffnet. Am 18. Mai des genannten Jahres erging nochmals ein Erlass, der Beisetzungen in den Kirchen und auf den Kirchhöfen verbot.

Katholischer Friedhof in ChełmnoDer Friedhof zwischen dem ehemaligen Thorner Tor und dem heute noch gut erhaltenen Pulverturm war bereits nach 20 Jahren belegt, so dass er erweitert werden musste. 1835 wurde ein Kaufvertrag mit Ludwik und Joanna Pozzesii über ein benachbartes Grundstück westlich des Pulverturms geschlossen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde dieses Rechtsgeschäft jedoch nicht vollzogen. Die Erweiterung des Friedhofs um diese Fläche erfolgte erst 1852, als die neuen Eigentümer, Karol und Szarlota Suthoff, diese der katholischen Kirchengemeinde schenkten. 1877 wurde von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern ein weiteres Grundstück erworben.

Mit einem Aufwand von 5000 Mark wurde 1907 eine Leichenhalle gebaut, die bis heute genutzt wird. In unmittelbarer Nähe befinden sich an der Böschung unterhalb der Stadtmauer eng nebeneinander errichtete Grabmäler, unter anderem die Ruhestätte der Familie Witt aus dem Jahr 1906 sowie das Familiengrab des Gymnasialdirektors Wojciech Łożyński.

Katholischer Friedhof in ChełmnoWährend des Ersten Weltkriegs wurde erneut eine Erweiterung notwendig, unter anderen aufgrund der behördlichen Anordnung, einen Soldatenfriedhof zu schaffen. Durch einen Grundstückstausch erhielt die Kirchengemeinde eine neue Fläche von der Stadt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof noch mehrmals vergrößert.

Heute nimmt er fast die gesamte Fläche zwischen der ul. Toruńska und der Stadtmauer ein. Lediglich unmittelbar an der ul. Toruńska befinden sich Grundstücke mit Gebäuden. Das teilweise stark abschüssige Gelände erforderte eine terrassenförmige Anlage des im Westen bis zur ul. Danielewskiego reichenden Friedhofs, die seinen besonderen Reiz ausmacht.

Tagsüber ist das Friedhofsgelände frei zugänglich. Um einen kurzen Rundgang zu unternehmen, betritt man den katholischen Friedhof am besten durch den Haupteingang an der ul. Toruńska, der sich unmittelbar südlich der Stadtmauer befindet. Folgt man nun der Hauptallee, sieht man rechts den ältesten Teil des Friedhofs. Ganz am Ende der Hauptallee wendet man sich nach rechts und nimmt die zur Wehrmauer hinaufführende Treppe. Entweder wirft man nun noch einen Blick auf die Gräber unmittelbar an der Stadtmauer oder betritt durch das Tor in der Stadtmauer in Höhe des südlichen Endes der ul. Klasztorna wieder die Altstadt.

Quelle: Anna Grzeszna-Kozikowska, Chełmińskie Powązki, in: Czas Chełmna vom 24. Oktober 2008, S. 6

[Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 27.10.2008]

Alte Promenade

Alte Promenade in ChełmnoEtwas abseits liegend [Standort bei Google Maps], wird von den meisten Touristen der älteste Park in Culm, die 1825 unter dem preußischen Bürgermeister Halmhuber angelegte Alte Promenade, kaum beachtet. Sie befindet sich nördlich der Altstadt und erstreckt sich auf einer Fläche von 3,64 ha von der ul. Wodna (Wasserstraße) bis zur ul. Rybacka (Fischerstraße). In den ersten Jahren, als die Bäume noch klein waren, konnte man von hier aus sicherlich einen schönen Ausblick auf die unten im Tal liegende Fischerei (Rybaki), den ältesten Stadtteil Culms, und weiter auf die Weichsel genießen. Gegenwärtig kann man nur während der blätterlosen Zeit des Jahres etwas von der ursprünglichen Aussicht erahnen.

Alte Promenade in Chełmno1880 wurde die Stadtmauer zwischen der ul. Rynkowa (Marktstraße) und der ul. Rybacka abgebrochen, um Platz für neue Baugrundstücke entlang der Alten Promenade zu schaffen. Davor entstand, um die Zufahrt zu den neu entstehenden Häusern zu ermöglichen, die schmale Straße An der Promenade (ul. Stare Planty).

In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts musste der alte Baumbestand gefällt und der Park vollkommen neu gestaltet werden. Die meisten Arbeiten wurden zur Amtszeit von Bürgermeister Stanisław Zawacki durchgeführt.

Quelle:
Anna Soborska-Zielińska, Parki i ogrody Chełmna, Chełmno 1999, S. 13 (Abschnitt “Stary Planty”)

[Die Fotos entstanden am 6. Dezember 2008. Erstveröffentlichung dieses Beitrags: 19.12.2008]